An der französischen Nordküste gehört das Seebad Étretat mit seinen Kreidefelsen in der geschichtsträchtigen Normandie zu den beeindruckendsten Reisezielen. 

Seit der Übernahme durch die Normannen, deren Anführer Rollo die Region um die Grafschaft Rouen im Jahr 911 von Karl dem Einfältigen als Lehen übertragen wurde, war der nördliche Teil Frankreichs immer wieder hart umkämpfter Schauplatz in historischen Schlachten. Im zweiten Weltkrieg schließlich landeten an den westlichen Stränden der Normandie die US-Truppen, die entscheidend zum Ende des Krieges beitragen konnten. 

Östlich von Le Havre, an der sogenannten Alabasterküste, hatten sich bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts touristische Zentren wie Étretat entwickelt, die für Künstler und Intellektuelle beliebte Zufluchtsorte darstellten. In diesem Text stellen wir Ihnen Étretat und seine Kreidefelsen, seine Gärten und seine Strände vor und liefern Ihnen einen kleinen Einblick in die Hafenstadt Le Havre, den Ausgangspunkt unserer Ausflüge in der Normandie. Lesen Sie mehr zu den folgenden Themen:

Wo Étretat zu finden ist

Am Ärmelkanal an der Nordküste der Normandie liegt das Seebad Étretat umrandet von den Kreidefelsen Falaises d'Aval im Südwesten und Falaises d'Amont im Nordosten an der 120 Kilometer langen Côte d'Albâtre, der Alabasterküste. Le Havre, die mit 170.000 Einwohnern größte Stadt der Normandie liegt von Étretat aus im Südwesten. In Le Havre beginnt die durch die helle Farbe ihrer Kreidefelsen charakterisierte Alabasterküste, die an Étretat und Dieppe vorbei bis nach Le Tréport führt. In Étretat leben rund 1300 Einwohner. 

Beliebt ist die Gemeinde als Zweitwohnsitz und als Ort der Sommerfrische bei Stadtbewohnern, die bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorwiegend aus der Region Paris die Normandie bereisten. Einem internationalen Publikum sind Étretat und seine Kreidefelsen durch die mehr als 80 Gemälde bekannt, die der Impressionist Claude Monet während seiner Aufenthalte hier erschaffen hat. Seit Jahrzehnten steigt die touristische Bedeutung Étretats, das zu den meistbesuchten Reisezielen der Normandie gehört. Heute ist die Mehrzahl der Bewohner des früheren Fischerdorfes im Tourismus beschäftigt.

Geographie der Normandie

Fünf Départements – Eure, Seine-Maritime, Calvados, Orne und La Manche – befinden sich heute im Norden Frankreichs auf dem schon seit dem 11. Jahrhundert bestehenden Gebiet der Normandie. 

Étretat und seine Kreidefelsen liegen in Seine-Maritime, das wie alle anderen der Départements einige bekannte Sehenswürdigkeiten bereithält. Nicht nur die größte Militäroperation des 20. Jahrhunderts, der D-Day, steht für das zentral gelegene Département Calvados. 

Gourmets dürften hier neben dem gleichnamigen Apfelschnaps auch der Cidre und der über die lokalen Grenzen bekannte Livarot-Käse ein Begriff sein. In La Manche, dem westlichsten Département der Normandie, wird das imposante Bild des Mont Saint-Michel bei einem Besuch zur Realität, während aus der Gemeinde Camembert in Orne der gleichnamige Weichkäse stammt.

Der Produktion des Poire – eines aus Birnen hergestellten Weines als Äquivalent zum Apfelwein Cidre – haben sich in Orne heute noch rund zwei Dutzend Produzenten verschrieben. 

Eure wiederum besticht nicht nur durch sein romantisches Seinetal. Mit Claude Monet war auch einer der bekanntesten französischen Maler in Eure zuhause, was den Besuch des Départements zu einem Muss für Kunstliebhaber macht.

Die Felsen von Étretat

Mit dem 'Elefantenrüssel' Porte d'Aval, der Porte d'Amont und Manneporte befinden sich in der unmittelbaren Umgebung Étretats drei durch natürliche Erosion aus den Kreidefelsen entstandene Felsentore. 

Die Porte d'Aval ist verbunden mit den gleichnamigen, 75 Meter hohen Felssteilwänden an der Küste. Ein einzelner, spitz zulaufender Kreidefels, die 42 Meter hohe Aguille und das 'große Tor' Manneporte vollenden das Ensemble an den Falaises d'Aval südwestlich von Étretat. 

Die Porte d'Amont, das kleinste der drei Felsentore, befindet sich nordöstlich von Étretat und ist mit den 85 Meter hohen Falaises d'Amont verbunden, auf deren Rücken die im Privatbesitz befindliche Kapelle Notre-Dame-de-la-Garde sowie das Monument Nungesser et Coli zu finden sind. Das Monument erinnert an die beiden Luftfahrtpioniere Charles Nungesser und Francois Coli, die 1927 die erste Atlantiküberquerung der Luftfahrtgeschichte wagten und mit ihrem Flugzeug über Étretat letztmals gesehen wurden.         

Die Gärten von Étretat

Inmitten eines riesigen Parks liegt an den Hängen der nordöstlichen Kreidefelsen Étretats Villa Roxelaine, die 1905 von Madame Thébault, einer mit Claude Monet befreundeten französischen Schauspielerin erworben wird. Die neue Eigentümerin pflanzt auf ihrem Grundstück einen ersten Baum, der Ausblick aus dem Garten Madame Thébaults und die stetig ändernden Lichtverhältnisse an der Küste des Ärmelkanals inspirieren Claude Monet bei seinen Besuchen in Étretat, die Kreidefelsen immer wieder von Neuem zu malen. 

Über ein Jahrhundert nach Monets' Besuchen restauriert 2016 der russische Landschaftsarchitekt Alexander Grivko die Gartenanlagen rund um Villa Roxelaine. Seit 2017 sind die in sieben Sektionen unterteilten Gärten von Étretat wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Eintrittsticket kostet 10,50€ für Erwachsene, Kinder und Jugendliche von zwei bis 14 Jahren zahlen 7,20€.

Die Innenstadt

Die heutige Innenstadt Étretats ist stark von den Wiederaufbauarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Das 1852 erbaute, im Krieg von den deutschen Besatzern abgerissene Casino sowie die auf einem Damm liegende Promenade, der Perrey, gehören zu den neuesten Wiederaufbauten, nachdem die Meeresfassade der Stadt bereits im späten 20. 

Jahrhundert wiedererrichtet worden war. Zu den ältesten Gebäuden des Seebads gehören das 1866 erbaute Schloss Les Aygues, der heute als Hotel dienende Manoir de la Salamandre sowie die Markthalle aus dem Jahr 1926, in der neben Läden mit traditioneller Handwerkskunst auch touristische Waren angeboten werden. Auch in der Innenstadt findet sich heute ein an die touristische Bedeutung Étretats angepasstes Angebot mit Souvenirshops und Gastronomiebetrieben.

Strände

Der durch einen Damm von der Gemeinde getrennte, einige Hundert Meter lange Kieselstrand von Ètretat wurde lange Zeit nur von den Fischern der Stadt genutzt. Da das Seebad nicht über einen Hafen verfügte, zogen die Fischer ihre Schiffe am Abend vom Damm aus mit Winden zurück auf den Strand. Einige der Winden sind heute noch auf dem Damm zu sehen. 

Als um 1840 die ersten Touristen nach Étretat kommen, entstehen am Strand Badehütten, heute nutzen auch einige Surfer den Wellengang vor der Küste des Seebads. Durch das begehbare 'Mannsloch', das Trou à l'homme, wird der benachbarte Strand, die 350 Meter lange, zwischen den Falaises d'Aval und Manneporte gelegene Valloise de Jambourg erreicht. Der 1922 gebaute Fußgängertunnel zur Valloise de Jambourg ist jedoch nur bei Ebbe passierbar, worauf Gefahrenschilder und ein Gezeitenkalender am Tunneleingang deutlich hinweisen.

Notre-Dame

Unter der Schutzherrschaft der 1789 nach der Französischen Revolution verlassenen Benediktinerabtei Fécamp entsteht die Liebfrauenkirche Notre-Dame d'Étretat ab der Mitte des 12. Jahrhunderts im romanisch-normannischen und ab dem Ende des Jahrhunderts im gotischen Baustil. Die Kirche wird auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes erbaut, Zerstörungen nach der Französischen Revolution werden im 19. Jahrhundert behoben. Seit 1840 steht Notre-Dame d'Étretat unter Denkmalschutz. Auf dem benachbarten Friedhof sind unter anderem auch britische Soldaten begraben, die während des Ersten Weltkriegs in einem damals in Étretat bestehenden Militärlazarett verstorben waren.

Der Felsenweg

Die wahrscheinlich schönste Wanderung, die man von Étretat aus unternehmen kann verläuft über den Felsenweg, der über den Damm Perrey zu den Falaises d'Aval führt. Der Aufstieg zu den Kreidefelsen erfolgt über eine breite Treppe. Neben dem Trou à l'homme gehört auch eine bei Ebbe sichtbare, heute mit Algen überzogene Austernzucht aus dem 18. Jahrhundert zu den außergewöhnlichen Ansichten beim Aufstieg. Oben angekommen warten imposante Ausblicke auf Étretat und die Felsnadel Aguille sowie nach Westen zur Manneporte auf die Wanderer. Der Weg führt weiter zur Höhle 'Chambre des demoiselles', in der der Legende nach drei junge Damen aus längst vergangener Zeit spuken, die, nachdem sie sich den Avancen eines Adeligen widersetzt hatten, von diesem getötet wurden.

Was es in Le Havre zu sehen gibt

Das Aussehen des heutigen Le Havre, der mit rund 170.000 Einwohnern größten Stadt der Normandie, ist eng mit dem Namen des Architekten Auguste Perret verbunden, der hier nach dem zweiten Weltkrieg als verantwortlicher Stadtplaner mit einem Team von 60 Architekten für den Wiederaufbau der nahezu völlig zerstörten Stadt verantwortlich zeichnet.

Perret, ein Meister des Eisenbetonbaus, lässt die Stadt mit langen Straßenachsen und Häusern in getöntem Beton wieder aufbauen, was Le Havre 2005 den Status einer UNESCO-Welterbestätte bringt – als einzigem Stadtensemble neben der brasilianischen Hauptstadt Brasilia. Die 1957 neu eröffnete Kirche St. Joseph wird zu einem Leuchtturm des Gedenkens für die Zerstörung Le Havres im Zweiten Weltkrieg. 

Der 73 Meter hohe Rathausturm gilt heute als eines der Wahrzeichen der Stadt. Das wichtigste im Krieg nahezu verschonte Gebäude, die im Jahr 1630 vollendete Kathedrale Notre-Dame, dient heute als Bischofssitz. Einen Rekord verzeichnet unterdessen die mehr als zwei Kilometer lange Schrägseilbrücke Pont de Normandie, die Le Havre mit dem südlichen Seineufer verbindet. Mit einer Spannweite von 856 Metern ist die 1994 fertig gestellte Brücke die Schrägseilbrücke mit der größten Spannweite in Europa.

Entdecken Sie Nordeuropa mit Costa Kreuzfahrten

Das Seebad Étretat bietet Costa Kreuzfahrten als Tagesausflug bei einem Zwischenstopp im nordfranzösischen Le Havre an, das 2022 bei mehreren unserer Kreuzfahrten angelaufen wird. Im Mai 2022 legt Costa Diadema auf ihrer Großen Kreuzfahrt ab Savona, Marseille, Barcelona und Lissabon in Le Havre an. Die weiteren Reiseziele der Costa Diadema sind Tarragona, La Coruna, Kristiansand, Göteborg und Kiel. Im Mai, Juni, und September/Oktober 2022 laufen dann auch Costa Fascinosa und Costa Favolosa auf ihren Nordeuropa-Reisen in Le Havre ein. Auf der Südroute starten beide Schiffe in Kiel, Kopenhagen oder Stockholm. Auf dem Weg nach Norden sind Savona und Barcelona mögliche Orte zur Einschiffung.