Schon früh in der Geschichte der Kreuzfahrt gehören die norwegischen Fjorde zu den beliebtesten Reisezielen der Seefahrer. Die Einzigartigkeit der norwegischen Naturlandschaften fasziniert Schiffsreisende damals wie heute, und gerade der Geirangerfjord hat sich unter den mehr als 1000 Fjorden, die es in Norwegen gibt, seinen Namen gemacht. Seit 2005 steht der Geirangerfjord stellvertretend für die norwegischen Fjordlandschaften in der Liste der acht UNESCO-Weltkulturerbestätten, die Norwegen zu bieten hat. Mit bis zu 250 Meter Wassertiefe gehört der Fjord zu den tiefsten in Norwegen, und auch die Steilhänge, von denen sich nach der Schneeschmelze im Frühjahr spektakuläre Wasserfälle wie die 'Sieben Schwestern' oder der 'Freier' ins tiefblaue Nass hinabstürzen, sind ein Naturspektakel sonder gleichen. Die beiden Straßen, die Geiranger mit der Außenwelt verbinden, haben wiederum ihre ganz eigenen Geschichten zu erzählen, genau wie der Dalsnibba, der höchste Berg in der Umgebung Geirangers. Mehr zu den Sehenswürdigkeiten rund um Geiranger lesen Sie hier:

Die Anreise

Bereits die Anreise in den Geirangerfjord ist ein wahres Erlebnis – obwohl sie heute verglichen mit der Zeit bis zum späten 19. Jahrhundert schon recht komfortabel vonstatten geht. Bis in die 1890er Jahre sind der Geirangerfjord und die Gemeinde Geiranger nur vom Wasser aus erreichbar. Erst der 1881 begonnene Bau der Geirangerstraße bringt einen Landweg in den Fjord – allerdings nur im Sommer, denn bis heute wird die Straße, die Geiranger mit Oslo und Bergen verbindet, im Winter gesperrt. Dennoch ist die Straße für die damalige Zeit ein ingenieurtechnisches Meisterwerk, was bei der Weltausstellung 1900 in Paris mit einer Goldmedaille für exzellenten Ingenieursbau gewürdigt wird. Im Jahr 1954 öffnet dann ein zweiter Landweg in den Geirangerfjord. Über elf Haarnadelkurven führt seither die Adlerstraße ganzjährig nach Geiranger hinein und aus Geiranger hinaus. Eine Fährverbindung verbindet die Gemeinde zudem mit dem am Ende des Sunnylvsfjordes gelegenen Hellesylt.

Die Natur

Der Geirangerfjord ist ein Ort der Extreme, was nicht zuletzt die Natur vor Ort erkennen lässt. Über Monate fällt im Winterhalbjahr wegen der hohen umliegenden Berge und der recht tief stehenden Sonne nur etwa vier Stunden täglich Sonnenlicht in den Fjord. Bereits im Oktober wird die Geirangerstraße aufgrund der ersten oft heftigen Schneefälle im Hinterland Geirangers geschlossen. Bis zu acht Meter Schnee und Temperaturen bis zu minus 35 Grad sind hier im Winter möglich. Im Hochsommer können die Temperaturen in Geiranger jedoch auch 30 Grad plus erreichen. Es ist dann im Fjord wesentlich wärmer als in den norwegischen Küstenstädten, wo der vorbeifließende Golfstrom für mildere klimatische Bedingungen sorgt.

Auf der Fahrt über die Geirangerstraße lassen sich die Auswirkungen des extremen Klimas gut erkunden. Während sich Geiranger auf Meereshöhe noch sehr grün zeigt, wird die Natur auf der zwölf Kilometer langen Strecke bis zum Djupvatnet, dem 'tiefen See', von Höhenmeter zu Höhenmeter karger. In der oberhalb der Baumgrenze beginnenden Steinwüste ab etwa 800 Metern über Meereshöhe sind die Lebensbedingungen im Winter so harsch, dass hier kein Überleben möglich ist. Die Tierwelt ist daher im Hinterland Geirangers äußerst überschaubar.

Die Wasserfälle

Einige der spektakulärsten Wasserfälle Norwegens erleben Kreuzfahrer bei der Einfahrt in den Geirangerfjord. Auf der linken Seite ergießen sich die 'Sieben Schwestern' aus bis zu 300 Metern Höhe in den an dieser Stelle etwa 230 Meter tiefen Fjord. Gleich gegenüber ein einzelner Wasserfall, der 'Freier', und wie so oft in Norwegen ist auch die Verbindung der Sieben Schwestern zum Freier auf der anderen Fjordseite in einer Legende verbrieft. Dieser Legende nach bat der Freier jede der sieben Schwestern nacheinander um ihre Hand. Doch alle Schwestern lehnten ab, worauf der Freier zur Flasche griff und bis heute als Wasserfall eine Flaschenform verkörpert. Für geübte Wanderer sind die Sieben Schwestern und der Freier auch per pedes erreichbar. 

Knivsfla, ein ehemaliges Gehöft in der Nachbarschaft der Sieben Schwestern und Skagefla auf einem Plateau nahe dem Freier-Wasserfall sind zwei der einst elf Höfe im Geirangerfjord, von denen der letzte bis in die 1960er Jahre von Einheimischen bewirtschaftet wurde. Heute stehen die Höfe als Unterkünfte zur Verfügung, was sich auch das norwegische Königspaar Sonja und Harald bereits zu Nutze machte, das auf Skagefla einst seine Silberhochzeit feierte.

Akerneset

Kein Naturschauspiel ohne einen gewissen Nervenkitzel, und auf dem Weg in den Geirangerfjord heißt dieser Nervenkitzel Akerneset. Akerneset ist eine Felswand, die auf dem Weg durch den Sunnylvsfjord von jedem Schiff passiert wird, das zum Geirangerfjord fährt. Doch die Felswand ist mit Rissen durchsetzt, und es ist nahezu sicher, dass der Berg zu einem nicht bestimmbaren zukünftigen Zeitpunkt abrutschen wird. Bis zu 54 Millionen Kubikmeter Gestein werden dann den Sunnylvsfjord fluten und einen bis zu 80 Meter hohen Tsunami verursachen, der sich in wenigen Minuten bis nach Hellesylt und Geiranger vorarbeiten und die beiden Gemeinden überschwemmen wird. Das Szenario lieferte 2015 das Drehbuch zu 'Bolden', dem ersten Katastrophenthriller aus norwegischer Filmproduktion. In der Realität ist zumindest die Gefahr für Leib und Leben der Bewohner in den anliegenden Fjordgemeinden überschaubar. 

Seit den ersten Auffälligkeiten in der instabilen Struktur der Felswand wird Akerneset mit wissenschaftlichen Methoden und Messgeräten 365 Tage im Jahr täglich 24 Stunden überwacht. Schon geringe Verschiebungen von Gesteinsmassen in der Felswand fallen auf diese Weise auf, sodass die Bewohner der Fjordgemeinden mit Hilfe eines Frühwarnsystems einige Zeit vor dem zu erwartenden Erdrutsch gewarnt und evakuiert werden können.

Geiranger und der Hausberg Dalsnibba

Die Zahl der ständigen Einwohner in der Gemeinde Geiranger ist recht überschaubar. Außerhalb der Reisesaison sind in der kleinen Fjordortschaft nur etwa 200 Menschen beheimatet. Sobald jedoch die ersten Schiffe im Geirangerfjord einlaufen, erwacht der Ort aus seinem Winterschlaf. Bereits im Jahr 1869 kommt die erste Yacht mit Reisenden in den Fjord, 1888 werden bereits 38 Schiffe gezählt. Unter den frühen Gästen ist auch Kaiser Wilhelm II., dem an der Geirangerstraße gegenüber dem Utsikten Hotel ein Gedenkstein gesetzt ist. Heute sind es bis zu 200 Kreuzfahrtschiffe im Jahr und bis zu 6000 Besucher täglich, die sich während der Saison im Fjord und in Geiranger aufhalten. Die spektakuläre Busfahrt über die Geirangerstraße bis auf den 1500 Meter hohen Dalsnibba, den Hausberg der Gemeinde, lassen sich die meisten von ihnen nicht entgehen. Zu atemberaubend sind die Ausblicke, die sich von hier auf den Fjord und auf die umliegenden Landschaften bieten. Im Optimalfall liegt bei strahlendem Sonnenschein auf dem Gipfel des Dalsnibba noch Schnee, während am Kreuzfahrtpier in Geiranger bereits der Frühling Einzug gehalten hat. Dann herrscht im Geirangerfjord Kaiserwetter, und der Weg vorbei am Aussichtspunkt Flydalsjuvet zurück zum Kreuzfahrtpier wird zu einem unvergesslichen Ausflug.

Informationen für den Besuch

Die Shoppingmöglichkeiten in der kleinen Fußgängerzone Geirangers sind sehr begrenzt, doch für Gäste, die sich in der Fjordgemeinde aktiv betätigen möchten, gibt es einige Möglichkeiten. Die Treppe aus dem Hafen Geiranger hinauf zum Fjordcenter ist etwas für sportlich Aktive. Vorbei an einem Wasserfall führt die Treppe bis zum Besucherzentrum, in dem das Leben der Menschen im seit 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe zählenden Geirangerfjord in einer spannenden Ausstellung präsentiert wird. Einen der schönsten Wellnessbereiche Fjordnorwegens bietet das benachbarte Union Hotel. Die Sonnenterrasse mit Fjordblick ist hier nach dem Saunagang eine Aussicht, die es so nicht an vielen Orten der Welt gibt. Auf dem Wasser gibt es zudem noch die Möglichkeit, den Geirangerfjord per Kajak zu erkunden, während es sich an Deck oder an Land auch empfiehlt, die Seele baumeln zu lassen und die Fjordlandschaft Geirangers einfach nur zu genießen.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten Norwegens

In einer Aufstellung der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Norwegens dürfen einige Erlebnisse sicher nicht fehlen: Die Wanderung zum Preikestolen zum Beispiel, einer 600 Meter hohen, vertikal in den Lysefjord abfallenden Abbruchkante in der Nähe Stavangers. Oder aber die Busfahrt über den Trollstigen nahe Andalsnes, jene spektakuläre Serpentinenstraße, deren Bau schon im frühen 20. Jahrhundert eine ingenieurtechnische Meisterleistung war. Und dann wären da noch die Küstenstädte Stavanger, Bergen, Alesund, Trondheim und Tromsö, von denen Alesund mit seinen Jugendstilfassaden für Norwegen noch einmal völlig untypische Akzente setzt. Ganz im Norden ist in Honningsvag die Busfahrt zum Nordkapp bei einer Norwegenreise ein Muss. Und wen es noch weiter nach Norden ins Nördliche Eismeer zieht, der findet auf Spitzbergen und auf dem Weg dorthin noch einmal eine eindrucksvolle Naturlandschaft vor, die sich in langen, lichtarmen nordischen Wintermonaten gänzlich unter Schnee und Eis verbirgt.

Entdecken Sie Nordeuropa

Mit der Costa Diadema und der Costa Fascinosa geht es 2022 ab Kiel in den hohen Norden. Der Geirangerfjord steht bei der 13tägigen Nordeuropakreuzfahrt im September 2022 mit Costa Fascinosa ebenso im Reiseplan wie bei den achttägigen Reisen mit Costa Diadema im Mai und im Juni 2022. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen, das Jugendstilstädtchen Alesund und die norwegische Ölhauptstadt Stavanger gehören bei den 8-Tages-Reisen zu den weiteren Anlaufhäfen. Mit Costa Fascinosa geht es indes noch weiter in den hohen Norden – nach Honninsvag und zum Nordkapp, nach Tromsö und nach Trondheim. Kommen Sie an Bord und erleben und bestaunen Sie die Schönheiten des hohen Nordens bei einer Seereise mit Costa Kreuzfahrten.