In unserer Vorstellung besteht Weihnachten aus geschmückten Tannenbäumen, Liedern, Geschenken mit einer großen Schleife, dem Weihnachtsmann in Begleitung von Schlitten und Rentieren und festlichen Mahlzeiten. Aber nicht überall auf der Welt wird auf diese Weise gefeiert: Es gibt einige bemerkenswerte Traditionen, wie das katalonische Caga Tió, die mexikanische Nacht der Radieschen und die österreichischen Krampusläufe. Lernen Sie acht der ungewöhnlichsten Weihnachtsbräuche kennen.

"In der Noche de los Rábanos versammeln sich Dutzende von Bauern und Handwerkern auf dem zentralen Platz, dem Zócalo, um ihre aus Radieschen geschnitzten Darstellungen von Jesus, Maria und Josef oder anderen Heiligen zu präsentieren."

Mari Lwyd – Wales, Großbritannien

In der Weihnachtszeit finden in einigen Orten des südlichen Wales noch heute Umzüge mit der Mari Lwyd (in etwa: „graue Stute“) statt, einer Figur heidnischen Ursprungs. Dabei handelt es sich um einen mit bunten Bändern geschmückten, an einem Stock befestigten Pferdeschädel, der von einer Person, die unter einem weißen Tuch verborgen ist, durch den Ort getragen wird. Die Mari Lwyd zieht von Haus zu Haus. Nachdem sie angeklopft hat, beginnt sie zu singen, und der Hausbewohner muss eine Art Sängerwettstreit mit ihr austragen. Wenn der Pferdeschädel bei dem „Duett“ das letzte Wort hat, wird er hineingebeten und mit Speisen und Getänken versorgt, ansonsten zieht er zum nächsten Haus weiter.

Münze im Pudding – England, Großbritannien

Diese Tradition verheißt Glück und ist im ganzen Vereinigten Königreich, vor allem aber in England, verbreitet. Während der Zubereitung des Christmas Pudding, eines klassischen weihnachtlichen Desserts, in das unter anderem Ei, kandierte Früchte, Mandeln und Gewürze gehören, lässt der Koch eine kleine Münze in den Teig fallen. Wenn nun der Pudding serviert wird, erwartet den Glücklichen, in dessen Portion die Münze steckt, im folgenden Jahr Wohlstand, so heißt es. Eine lustige Tradition, allerdings sollte man mit Bedacht kauen!

Patinatas y Gaitas – Venezuela

Hier hat Weihnachten eine sportliche Note. An Heiligabend gehen die Einwohner gewöhnlich mit Rollschuhen auf die Straße und ziehen in einer Parade durch die Straßen zur Kirche, in der die Mitternachtsmette gefeiert wird. Begleitet werden die Rollschuhläufer von den Gaitas, der traditionellen venezolanischen Weihnachtsmusik, die sich durch südamerikanische Rhythmen und fröhlichen Gesang auszeichnet.

Die Nacht der Radieschen– Oaxaca, Mexiko

In Oaxaca im Süden Mexikos, gehört die Nacht des 23. Dezember den Radieschen. In der Noche de los Rábanos versammeln sich Dutzende von Bauern und Handwerkern auf dem zentralen Platz, dem Zócalo, um ihre aus Radieschen geschnitzten Darstellungen von Jesus, Maria und Josef oder anderen Heiligen zu präsentieren. Eine Jury wählt die schönste Knollen-Skulptur und der Gewinner erhält tausend Dollar. Die Nacht der Radieschen kann auf eine lange Tradition zurückblicken, ursprünglich diente sie dazu, die Leute auf den Markt zu locken. Mit der Zeit hat sie sich zu einem beliebten Fest entwickelt (das allerdings nicht sehr lange dauert), zu dem Tausende von Menschen strömen.

Quema del Diablo – Guatemala

Die Guatemalteken bereiten sich in der Adventszeit mit der Quema del Diablo, einer Art Reinigungsritual, auf Weihnachten vor. Am 7. Dezember wird ein großes Feuer entzündet, in das alle Gegenstände geworfen werden, die für das Schlechte stehen, das im Laufe des Jahres geschehen ist. Von Zeitungen bis zu alten Kleidern landen all die Dinge, die den Groll, den Neid und die bösen Erlebnisse – das heißt „den Teufel“ – des vergangenen Jahres verkörpern, im Feuer.

Caga Tió – Katalonien, Spanien

Zum katalanischen Weihnachtsfest gehört der Caga Tió (oder Tió de Nadal), ein kleiner Baumklotz, den ein fröhliches Gesicht und eine rote Kappe schmücken. Am 8. Dezember wird er, von einer wärmenden Decke umhüllt, ins Haus geholt, wo ihn die Kinder jeden Tag mit Essen und Trinken verwöhnen. Am Heiligabend schlagen die Kinder auf das Holzstück ein und bitten es, Süßigkeiten und Geschenke auszustoßen (die die Eltern zuvor unter der Decke versteckt haben).

Das Mahl der Verstorbenen – Portugal

In Portugal ist es Brauch, dass nach dem Festessen an Heiligabend, bei dem die Großfamilie zusammenkommt, der Tisch die ganze Nacht lang gedeckt bleibt. Denn ein verbreiteter Volksglauben besagt, dass die Geister der verstorbenen Freunde und Angehörigen erwachen und die Überreste des Weihnachtsmahls der Lebenden verspeisen, wenn alle zu Bett gegangen sind.

Krampus – Österreich

Der furchteinflößende Krampus aus dem Brauchtum des östlichen Alpengebiets ist eine Schreckgestalt heidnischen Ursprungs. Er erscheint in der Weihnachtszeit und bestraft die unartigen Kinder. Beim traditionellen Krampuslauf, der in der Nacht vom 5. Dezember anlässlich des Nikolausfests stattfindet, wird der Krampus von Männern, die mit Fellen, Masken und Hörnern bekleidet sind, dargestellt. Während der Heilige (aus dem der moderne Nikolaus bzw. Weihnachtsmann hervorgegangen ist) Geschenke an die Kinder verteilt, lärmt der Krampus, der ihn durch den Ort begleitet, mit Glocken und Schellen, um die bösen Kinder zu erschrecken.

Fotos: OLYCOM/MONDADORI PORTFOLIO