Rodolfo Dordoni und Luca Zaniboni sind die Gründer des Studios Dordoni Architetti, eines der namhaftesten internationalen Büros für architektonische Planung und Innenausstattung mit einem preisgekrönten Gespür für den Wohnbereich. Ihnen hat der Creative Director der Costa Smeralda, Adam D. Tihany, die Hotelbereich-Planung des neuen Costa Flaggschiffs übertragen. In diesem exklusiven Interview erfahren wir, wie die kreative Vision entstand, die den neuen Kabinen, die Sie ab 2019 an Bord erwarten, ihr Aussehen verleihen wird.

"Der Gast wird sich an Bord wie Goethe auf seiner berühmten ‚Italienischen Reise‘ fühlen."

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Costa und wie wurden Sie in das Projekt einbezogen, das Adam D. Tihany, der Creative Director der Costa Smeralda, als „Wiederbelebung des italienischen Nationalstolzes“ bezeichnet?

Adam hat direkt Kontakt mit uns aufgenommen und wir haben sofort begeistert unsere Zusage zu dieser spannenden Herausforderung gegeben, gemeinsam mit Costa die Schönheit Italiens darzustellen. Wir waren gleich auf einer Wellenlänge mit ihm, denn unsere grundlegenden Konzepte wie die Auswahl der Materialien, der Entwurf der Räume, die Liebe zum Detail und die Verkörperung von Eleganz und Natürlichkeit lassen sich genauso in den Arbeiten von Adam wiederfinden. Auch seine Kompetenz im Bereich der Schiffs-Hospitality hat dabei geholfen, sich dieser für uns neuen Thematik zu nähern. Die Erfahrungen, die wir im Laufe unserer Projekte sammeln konnten, haben es uns ermöglicht, die spezifischen Anforderungen einer Schiffskabine aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten.

Das „Beste Italiens“ ist das kreative Konzept, das der Costa Smeralda zugrunde liegt. Was bedeutet es für Sie und wie setzen Sie es auf dem neuen Flaggschiff um?

Uns war eines sofort klar: Die Kunst, Geschichte, Kultur, Architektur und das Design Italiens sind für ihren einzigartigen und unnachahmlichen Stil bekannt, gleichzeitig sind es die Besonderheiten jeder italienischen Region und Stadt, die dieser Schönheit Ausdruck verleihen. Und genau diese Art, die Unterschiede in Einklang zu bringen und den Kontrasten ein Gleichgewicht zu verleihen, ist das besondere Merkmal unseres Landes. Der Gast wird sich an Bord wie Goethe auf seiner berühmten „Italienischen Reise“ fühlen: Durch die verschiedenen Brücken wird er zu einem Reisenden, der die vielfältigen Schönheiten all unserer Städte erlebt. Diese findet er auch in seiner Kabine wieder, die sich als „Stadt in der Kabine“ präsentiert.

Unsere CostaClub-Mitglieder sind immer sehr neugierig: Wie werden die Brücken, die Aufzüge und die Gänge aussehen, die zu den Kabinen führen?

Jede Brücke, die zu den Kabinen führt, trägt den Namen einer der schönsten italienischen Städte. Die ideale Route durch Italien beginnt bei Brücke 4 mit Palermo und führt dann Richtung Norden, unter anderem über Capri, Rom, Venedig und Mailand. Und dies ist nicht nur eine formale Benennung: Der Gast wird wirklich das Flair der jeweiligen Stadt erleben. Jede Brücke erhält eine ursprüngliche Kulisse, deren Farbe, grafische Motive und Bilder den Reisenden auf einem echten Spaziergang durch die Stadt begleiten. Die Aufzüge sind die Tür zu dieser Welt, die den Gast sofort umgibt und ihn bis zu seiner Kabine begleitet.

Wie werden die Kabinen aussehen und wie unterscheiden sie sich von denen, die unsere CostaClub-Mitglieder bereits kennen?

Unsere vorrangige Intention war es, die Kabinen zeitgemäßer und innovativer zu gestalten. Dies erreichen wir mit einer Reihe von Hauptfarben, die sich mit den Formen der Teppiche und den dekorativen Elementen mischen, sowie durch die Gestaltung des Wohnraums mit Holz. Dazu gehört außerdem das TV-Paneel, das sich in ein großes Bild der jeweiligen Stadt verwandelt, und das Siebdruckfenster zwischen Schlafzimmer und Bad, das den Raum größer wirken lässt. Zudem ist an den Wänden im Bad der weiße Carrara-Marmor zu finden, der eine große Bedeutung in der italienischen Tradition genießt. Möbel, Lampen und Stoffe komplettieren die Einrichtung der Kabine, die dem Gast eine erholsame und „erlebnisreiche“ Atmosphäre bietet.

Was wird unsere Gäste Ihrer Meinung nach am meisten überraschen?

Eine der größten Neuheiten, die uns bei der Gestaltung der Kabinen sehr wichtig war, ist zweifelsohne die „Vergrößerung“, die wir durch die Glaswand zwischen Schlafbereich und Bad erreicht haben. Durch das Glas gelangt Tageslicht ins Bad und lässt den Raum größer wirken. Außerdem schaffen wir so eine Verbindung zwischen beiden Bereichen. Auf Wunsch lässt sich das Glas verdunkeln. Ein anderer interessanter Aspekt ist die Vielfalt der Stoffe und der grafischen Elemente, die von Brücke zu Brücke und somit von Stadt zu Stadt die Einrichtung charakterisieren. Wir möchten die Vielfalt unseres Landes mit seinen geo-grafischen, künstlerischen und kulturellen Eigenheiten darstellen und daher jeden Raum einzigartig gestalten.

Neben dem architektonischen Aspekt waren Sie auch für die Einrichtung, Beleuchtung, Stoffauswahl und Dekoration der Kabinen zuständig.

Genau. Wir haben uns das Konzept von Gio Ponti zu eigen gemacht, einem der großen Meister des Designs „made in Italy“. Demzufolge ist ein italienisches Schiff selbst ein Teil Italiens, wo auch immer es in der Welt unterwegs ist. So wollten wir jedem Detail eine persönliche Note verleihen, mit speziell dafür gedachten Stücken, die in Zusammenarbeit mit einigen der wichtigsten italienischen Design-Unternehmen hergestellt wurden: Sofas und Sessel von Molteni & C, Balkonmöbel von Roda, Beleuchtungselemente von Flos und Stoffe von Dedar und Rubelli.

Was begeistert Sie persönlich am meisten an diesem Projekt?

Auf jeden Fall die Tatsache, dass es eine Herausforderung ist. Herausforderungen sind immer spannend, weil sie es erlauben, bei der Arbeit in ungewohnten Bereichen neue Eindrücke zu sammeln. Die Welt der Kreuzfahrtschiffe ist so eine neue Erfahrung für uns. Wir wollen ein Projekt verwirklichen, das zu unserer Vision passt und gleichzeitig alle Voraussetzungen erfüllt, die besonders im Schifffahrtsbereich unabdingbar sind. Zwei der interessantesten Aspekte waren die Planung von Räumen, die an die Struktur des Schiffskörpers gebunden sind, und die Notwendigkeit, die richtigen Materialien auszuwählen – sowohl aus ästhetischer und funktionaler Sicht als auch im Hinblick auf die erforderlichen Zertifizierungen im Schifffahrtsbereich. Dazu kommen die Begegnungen mit Adam Tihany und der Austausch unserer Visionen. Seine Hilfsbereitschaft und seine Fähigkeit, die Arbeit von vier verschiedenen Büros zu koordinieren und nie den Faden des Gesamtprojekts zu verlieren, waren unentbehrlich für das Erreichen unseres Zieles.

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