In China ist Neujahr, mehr noch als im Westen, ein ganz besonderes Fest: Es fällt jedes Jahr auf ein anderes Datum, dauert fünfzehn Tage, und seine Ursprünge reichen weit zurück. Der Beginn des neuen Jahres wird vom ersten Neumond bestimmt und ist ein feierliches Ereignis, das einer sorgfältigen Vorbereitung bedarf und mit eindrucksvollen Zeremonien begangen wird. Aber es ist auch der Moment, wenn mit dem Nahen des Frühlings ein neuer Zyklus beginnt (weshalb es auch Frühlingsfest genannt wird). Nach dem Gregorianischen Kalender fällt dieses Fest in die Zeit zwischen dem 19. Januar und dem 8. Februar. Es wird im Übrigen nicht nur in China, sondern in zahlreichen Ländern des Fernen Ostens und in den Chinatowns der ganzen Welt gefeiert. Am Neujahrsfest teilzunehmen ist eine bereichernde Erfahrung. Hier einige Tipps, um diese ganz auszukosten.

"Am Neujahrstag zieht eine Löwenfigur von Trommeln begleitet durch die Straßen und führt den berühmten, Glück verheißenden Löwentanz auf; am Abend gibt es überall Feuerwerke."

Die Ursprünge

Es heißt, dass in China vor langer, langer Zeit ein furchterregendes Ungeheuer namens Nian hauste. Einmal im Jahr verließ das Untier seine Höhle, um sich von Menschen zu ernähren, und die einzige Rettung war, Nian mit roter Kleidung und Lärm zu erschrecken. Auf diese Legende sind die Bräuche des chinesischen Neujahrs, die rote Farbe der Dekorationen und das Feuerwerk, zurückführen.

Das chinesische Horoskop

In China spricht man nicht von Steinböcken oder Widdern, sondern von Affen und Ziegen. Die chinesischen Astrologie unterscheidet sich deutlich von der westlichen. Jedem der zwölf Zeichen des Tierkreises wird ein „Erdzweig“ zugeordnet (das heißt eines der zwölf Elemente, auf denen das Gānzhī beruht, ein altes chinesisches Nummerierungssystem). Sie wechseln nicht im Monats-, sondern im Jahresrhythmus. So kommt es, dass ein Zeichen erst nach einem Zeitraum von zwölf Jahren wiederkommt. Am 8. Februar beginnt das Jahr des Affen (das heißt, das Jahr des Shēn genannten Erdzweiges).

Traditionen

Festessen, Familienfeiern, Gebete und Geschenke: Die Feierlichkeiten des Frühlingsfestes dauern fünfzehn Tage. Zur Begrüßung des neuen Jahres wird als Erstes das Haus gründlich gereinigt, um es dann zu dekorieren und mit roten Laternen zu schmücken, was am 28. Tag des zwölften Monats geschehen soll. Ein kantonesisches Sprichwort besagt, dass der „Frühjahrsputz“ dazu dient, das Unglück des soeben zu Ende gegangenen Jahrs zurückzulassen und das Glück des neuen Jahres zu empfangen.

Familienfeiern und festliche Umzüge

Auch in China verbringt man den Vorabend des Neujahrs im Kreis der Familie, bei einem festlichen Abendessen, in dessen Mittelpunkt Fisch steht, der Reichtum und Überfluss symbolisiert. Die Feierlichkeiten setzen sich in der Familie und im Freundeskreis fort und enden am fünfzehnten Tag mit dem faszinierenden Laternenfest, bei dem die Menschen mit den Lichtern, die ihre Häuser schmückten, durch die Stadt ziehen.

Unternehmungen und Sehenswertes

Sie sind in China und möchten Neujahr authentisch feiern? Beginnen Sie damit, dass Sie etwas Rotes anziehen. Dann übergeben Sie Ihren Lieben Umschläge, die ebenfalls rot sind, und eine gerade Anzahl von Münzen enthalten (aber niemals vier oder sein Vielfaches, ausgenommen die Acht, die Glück bringt). Um ganz in die chinesische Wirklichkeit einzutauchen, sollten Sie am zweiten Tag der Feierlichkeiten einen Zug nehmen, der überfüllt sein wird: Sie werden zahlreichen alleinreisenden Frauen begegnen, die ihre Eltern besuchen fahren, was nach der Heirat nur noch sehr selten vorkommt.

Hongkong und Shanghai

In den beiden Metropolen können Sie die spektakulärsten Feierlichkeiten erleben, die das traditionelle chinesische Neujahr zu bieten hat. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, in Hongkong eine Bootsfahrt durch den Victoria Harbour zu machen: Die funkelnden Lichtreflexe des Feuerwerks im Hafenwasser sind ein unvergessliches Schauspiel. In Shanghai hingegen können Sie sich besinnlicheren Ritualen widmen, die das Wesen des alten China verkörpern: Gehen Sie in einen Tempel, zum Beispiel den Jing´an, um den Gong zu schlagen und ein Räucherstäbchen zu entzünden. Das bringt Glück im neuen Jahr. Und vergessen Sie nicht allen „Xīnniánkuàilè“ (ein frohes neues Jahr) zu wünschen.