Die große Faszination, die das Meer auf uns ausübt, ist zum Teil auch auf die Geschichten zurückzuführen, die seinen Mythos nähren. Nicht zufällig gehört das Meer zu den Lieblingsthemen der Dichter, die sowohl seine romantischen wie auch die abenteuerlichen Seiten würdigen. Wir haben fünf ganz unterschiedliche Prosawerke ausgewählt. Jedes von ihnen vermag auf seine Weise den Geschmack des Meeres mit Worten wiederzugeben. Bei dieser Auswahl werden zwangsläufig andere Meisterwerke nicht berücksichtigt, vielleicht haben Sie ja Lust, Ihre eigene Favoritenliste zusammenzustellen.

"Dem bekannten italienische Regisseur Giuseppe Tornatore diente das Buch als Vorlage für den wunderbaren Film «Die Legende vom Ozeanpianisten», mit internationaler Besetzung, der sowohl in Italien wie im Ausland ausgezeichnet wurde."

Novecento – Alessandro Baricco

Dieser knappe, poetische Roman beruht auf einem für das Theater geschriebenen Monolog und erzählt die Geschichte von Danny Boodman T. D. Lemon Novecento, einem imaginären Pianisten, der sein ganzes Leben auf dem Ozeandampfer Virginian verbringt, zwischen Klavier und Ozean, Europa und Amerika, fern vom Festland, das in den Augen des Protagonisten ein „zu unbegrenztes“ Schiff ist, um es zu erkunden.

Moby Dick – Herman Melville

Melvilles ungeheuerliche Fabel ist der Klassiker der Meeresliteratur schlechthin und konnte in jüngerer Zeit auch durch die Verfilmung durch Ron Howard noch einmal ihre ganze Faszination entfalten. Die Reise der Pequod und ihres Kapitäns Ahab auf der Jagd nach dem weißen Wal ist nicht nur eines der großartigsten Meeresepen aller Zeiten, sondern auch eine vielschichtige Allegorie des Kampfes zwischen Gut und Böse, der den Menschen an einen Abgrund führt, in dem eine furchterregende und gnadenlose Natur ihren Ausdruck findet.

Der alte Mann und das Meer – Ernest Hemingway

Dieser Roman, zuerst 1952 in der Zeitschrift „Life“ erschienen , erzählt eine einfache Geschichte vom Meer und ein paar Fischern, behandelt dabei jedoch einige der Themen, die dem amerikanischen Schriftsteller besonders am Herzen lagen: Kampf, Mut, Vergänglichkeit, die Beharrlichkeit des Menschen gegenüber der Natur. Schnörkellose Beschreibungen, ein lakonischer Stil, scharf geschnittene Sätze: Für dieses intensive und unerlässliche Buch erhielt Hemingway 1953 den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis. Und es lohnt sich immer noch, es zu lesen.

Corto Maltese. Südseeballade – Hugo Pratt

In diesem Comicabenteuer des meisterlichen Hugo Pratt, das ab 1967 in Fortsetzungen erschien, hat Corto Maltese, der Seemann und Gaunerfreund, hinter dessen zynischem Gebaren sich ein loyaler und großherziger Geist verbirgt, seinen ersten Auftritt. Hier wird er zur Zeit des Ersten Weltkriegs zusammen mit Rasputin, der mal Freund, mal Feind ist, im Südpazifik in eine Geschichte um Piraten verstrickt, inmitten von deutschen Kanonenbooten, geheimnisvollen Inseln und Kannibalen.

Die Schatzinsel – Robert Louis Stevenson

Papageiengeschmückte Schultern, Piraten mit Holzbeinen, vergrabene Schätze und was die Phantasie sonst noch hergibt: Alles, was Sie über Piraten und Abenteuer auf See gelesen (oder im Kino gesehen haben), schöpft mehr oder weniger direkt aus diesem Jugendroman von Stevenson, der 1883 erschien und bis heute unerreicht ist, was den erzählerischen Reichtum angeht. Wussten Sie, dass 1998 das Buch Long John Silver des schwedischen Autors Björn Larssen erschienen ist? Es erzählt die imaginäre Biographie (allerdings mit genau recherchiertem geschichtlichen Hintergrund) der wohl berühmtesten Figur aus der Schatzinsel.