Mehr als 7000 Inseln gibt es in der Karibik. Viele von ihnen sind nicht größer als ein paar aneinandergereihte Fußballfelder. Andere sind so flach, dass das aufgepeitschte Meerwasser während der karibischen Hurrikansaison im Spätsommer und im Herbst eines jeden Jahres ohne größere Probleme darüber hinwegfegt. Auf Tortola hat in der jüngeren Zeit besonders Hurrikan Irma 2017 seine Spuren hinterlassen. Doch die Insulaner sind die karibischen Hurrikans gewohnt, und die Lebensfreude und der Zusammenhalt unter den Inselbewohnern ließ Tortola auch nach dieser Naturkatastrophe schnell wieder in Glanz erstrahlen. In Road Town, der größten Stadt auf Tortola, die zugleich auch Hauptstadt und Anlaufhafen für Kreuzfahrtschiffe auf den Britischen Jungferninseln ist, gibt es mit dem Königlichen Gefängnismuseum einen Ort mit sehr viel Geschichte. In der Cane Garden Bay im Norden Tortolas ist zudem eine der ältesten karibischen Rumdestillerien beheimatet. Und während die Amerikanischen Jungferninseln von Tortola nur wenige Kilometer entfernt liegen, sind die Beziehungen der britischen Insel in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten doch sehr viel enger als man denkt. Lesen Sie mehr zur Karibikinsel Tortola in unserem folgenden Text.

Die Kleinen Antillen

Gemeinsam mit den Großen Antillen, zu denen unter anderem Kuba, Jamaika, die Cayman Inseln und das Archipel von Puerto Rico gehören, bilden die in der östlichen Karibik gelegenen Kleinen Antillen die Westindischen Inseln. Die Inseln der Kleinen Antillen entstammen überwiegend vulkanischem Ursprung. Sie sind unterteilt in die Inseln über dem Winde, wo der Nordost-Passat ein feuchtwarmes Klima mit sich bringt, und die klimatisch recht trockenen, vor der Küste Südamerikas liegenden Inseln unter dem Winde, die nicht im Einfluss des Nordost-Passats liegen. Die meisten Inseln der Kleinen Antillen, die einst unter französischer, britischer oder niederländischer Kolonialherrschaft standen, sind heute unabhängige Inselstaaten. Die Jungferninseln, die zu den Kleinen Antillen und hier zu den Inseln über dem Winde gehören, sind indes nicht unabhängig.

Die Britischen Jungferninseln

Die Britischen Jungferninseln, die wie die benachbarten Amerikanischen Jungferninseln etwa 100 Kilometer östlich Puerto Ricos liegen, gehören zu den seitens der Vereinten Nationen definierten Hoheitsgebieten ohne Selbstregierung. Sie sind nach dieser Definition nicht-souveräne Staaten. Seit ihrer Eroberung 1672 von den Niederlanden gehören die Inseln zum Britischen Königreich, Staatsoberhaupt ist der König oder die Königin von England. Die Interessen des Staatsoberhauptes auf den Inseln vertritt ein Gouverneur. Auf den 16 bewohnten Inseln der einstigen britischen Kronkolonie leben rund 30.000 Menschen, und obwohl hier Linksverkehr herrscht und die britische Hymne 'God save the Queen' auch die Hymne der Britischen Jungferninseln ist, ist der US-Dollar auf allen Jungferninseln die offizielle Währung. Neben der Hauptinsel Tortola gehören Anegada, das nach einem niederländischen Kapitän benannte Jost van Dyke und Virgin Gorda zu den wichtigsten Britischen Jungferninseln, die untereinander mit Fähren und Wassertaxis verbunden sind.

Die Insel Tortola

Tortola ist nicht nur flächenmäßig die größte, sondern mit mehr als 23.000 Einwohnern auch die bevölkerungsreichste der britischen Jungferninseln. Mit dem 523 Meter hohen Mount Sage befindet sich auch der höchste Punkt der Inselgruppe auf Tortola, ebenso die Hauptstadt Road Town. Nach der Entdeckung der Jungferninseln 1493 durch Christoph Kolumbus lässt sich Anfang des 17. Jahrhunderts Jost van Dyke auf Tortola nieder. 1621 nehmen die Niederlande Tortola in Besitz, 1648 gründen sie an der Südküste der Insel das heutige Road Town. 

Unter der anschließenden britischen Herrschaft werden ab 1672 auf Tortola zahlreiche Zuckerrohrplantagen bewirtschaftet, mit der Abschaffung der Sklaverei beginnt im 19. Jahrhundert der wirtschaftliche Niedergang der Insel. Heute leben die meisten Bewohner Tortolas und der Britischen Jungferninseln vom Tourismus, viele Gäste kommen mit Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Road Town an. Bereits seit 1964 gibt es mit dem Sage Mountain National Park auf Tortola den ersten Nationalpark der Britischen Jungferninseln. Er erfreut sich bei Wanderern großer Beliebtheit, während die an der Nordküste der Insel liegenden Sandstrände wie Apple Bay, Brewer’s Bay und Smuggler’s Cove von Schwimmern und Seglern geschätzt werden.

Die Thornton-Plantage

Für viele US-Amerikaner mag es durchaus überraschend sein, doch die Baupläne für den Sitz des US-Repräsentantenhauses, das Kapitol in Washington, stammen von der Karibikinsel Tortola. William Thornton, der 1759 auf der Insel geborene Sohn eines Plantagenbesitzers, der in Edinburgh und London studiert und schließlich zehn Jahre nach der Amerikanischen Revolution nach Philadelphia auswandert, gewinnt hier 1789 einen Architekturwettbewerb. Als er bei einem Besuch der heimischen Plantage auf Tortola von einem neuen Wettbewerb zum Bau des Kapitols in Washington erfährt, reicht Thornton auch hierfür Pläne ein. Im Juli 1793 gewinnt er den Wettbewerb, gegen 16 Vorschläge anderer Mitbewerber setzt Thornton sich durch. Ein Jahr später beruft US-Präsident Thomas Jefferson William Thornton in den dreiköpfigen Rat, der den Aufbau der neuen amerikanischen Hauptstadt Washington begleiten soll. 1802 wird der Kapitol-Architekt zum ersten Vorsteher des US-Patentamtes – ein Amt, das Thornton bis zu seinem Tod 1828 innehält. Die Vollendung des Kapitols in Washington erlebt er 1823 noch mit. Von der Thornton-Plantage auf Tortola sind heute indes nur noch Reste vorhanden. Sie befinden sich an der Küstenstraße westlich von Road Town kurz hinter Nanny Cay in den Hügeln der Insel.

Fort Burt

Neben dem 1620 von Jost van Dyke erbauten Fort Recovery, dem ebenfalls niederländischen Fort Tertholen und den drei britischen Festungen Fort George, Fort Charlotte und Fort Shirley gehört das 1776 an der Einfahrt zum Hafen von Road Town erbaute Fort Burt zu den frühen Befestigungsanlagen auf Tortola. Wie Fort George und Fort Charlotte dient Fort Burt insbesondere dem Schutz des im Süden Tortolas gelegenen Inselhauptortes vor einfallenden Seefahrern und Piraten. Ein Schuss wird von Fort Burt jedoch nie abgefeuert, da Tortola sich für viele Piraten als zu bedeutungslos erweist. Seit den 1950er Jahren befindet sich auf den ehemaligen Anlagen von Fort Burt ein Hotel, das seinerzeit das erste Hotel auf der Insel Tortola war.

Das Gefängnismuseum

Revolten, Hurrikans und Tsunamis – das heute als königliches Gefängnismuseum der Öffentlichkeit zugängliche ehemalige Gefängnis in Road Town hat seit seinem Bau im späten 18. Jahrhundert schon vieles erlebt. Einst erbaut, um die Kontrolle der lokalen Plantagenbesitzer über die Sklavengemeinschaft auf Tortola durchzusetzen, erfüllte das Gefängnis nach der Josiah's Bay Rebellion 1823 sowie nach einem weiteren Sklavenaufstand 1831 genau diesen Zweck. Bereits 1811 war hier mit Arthur Hodge jedoch auch ein Ratsmitglied der Inselregierung wegen Mordes an mehreren Sklaven zum Tode verurteilt worden. 

Nach der Abschaffung der Sklavenhaltung wird es in Tortolas Gefängnis ruhiger, bevor 1867 zunächst ein Hurrikan und nur wenige Wochen später ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami das Gebäude stark beschädigt. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird das Gefängnis schließlich auch als Verwaltungsgebäude genutzt. Unter anderem siedeln sich hier die Feuerbrigade der Stadt sowie die Einwanderungsbehörde und die Führerscheinstelle der Britischen Jungferninseln an. Im Mai 1997 werden die Häftlinge von Road Town dann in das neue Gefängnis Balsams Ghut verlegt. Das Königliche Gefängnis wird geschlossen - und einige Zeit später bis 2007 noch einmal als Frauengefängnis wiedereröffnet. Seit Dezember 2016 ist das ehemalige Königliche Gefängnis in Road Town als Museum geöffnet und kann seither allein oder mit Museumsführer von den Besuchern der Insel besichtigt werden.

Collwood Rum Destillerie

Eine Karibikinsel ohne eigene Rumproduktion ist wohl kaum vorstellbar. Dies gilt auch für Tortola, wo sich die Tradition der karibischen Rumherstellung in der Collwood Rum Destillerie widerspiegelt. In einem alten Steinhaus in der Cane Garden Bay im Norden Tortolas nimmt die Geschichte vor etwa 400 Jahren seinen Lauf. Bis heute gehört die Destillerie im Familienbesitz zu den ältesten Rumproduktionen in der Karibik, auch wenn Hurrikan Irma 2017 die kleine Produktionsstätte fast vollständig zerstört. Mithilfe von Spendengeldern kann Collwood, die letzte verbliebene von einst mehr als zwanzig Rumdestillerien auf den Britischen Jungferninseln, wieder aufgebaut werden. Wer Collwood heute besucht, kann sich hier quasi zum Spottpreis durch die Produktpalette testen. In Onlineshops auf dem heimischen Sofa sind die Rumsorten von der Insel Tortola unterdessen alles andere als ein Schnäppchen: Für eine Flasche zehn Jahre alten Arundel Cane Rum werden Preise bis zu 130 Euro aufgerufen.

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