Es gibt nicht mehr viele Orte auf dieser Welt, die so unerforscht sind, dass wir über das Leben der Einheimischen nahezu gar nichts wissen. Papua-Neuguinea und das zu dem Inselstaat gehörende Bismarck-Archipel gehören zu diesen Orten. 

Alleine die Anzahl der noch gesprochenen Sprachen und Dialekte – in ganz Papua-Neuguinea sind es mehr als 800 – zeigt die noch immer existierende Ursprünglichkeit der Region, deren Menschen mit den vulkanischen Aktivitäten des Westpazifiks leben und die eine wechselvolle Geschichte zu erzählen haben. 

Ein Teil dieser Geschichte – genauer gesagt der Zeitraum von 1884 bis 1918 – ist zugleich auch deutsche Kolonialgeschichte, und wenn auch die meisten Zeugnisse aus dieser Zeit mittlerweile nicht mehr existieren, gibt es mit Unserdeutsch noch heute in einigen Regionen Papua-Neuguineas ein sehr seltenes Überbleibsel aus jener Zeit – die wahrscheinlich einzige Kreolsprache, die auf dem deutschen Wortschatz basiert. 

Lesen Sie mehr zu Papua-Neuguinea und zu den Inseln des Bismarck-Archipels im folgenden Text:

Lage und Inseln des Archipels

Der von seiner Landfläche mit der Größe Niedersachsens vergleichbare Bismarck-Archipel ist eine aus mehr als 200 Inseln bestehende, zu Papua-Neuguinea gehörende Inselgruppe im westlichen Pazifischen Ozean. 

Von den insgesamt 21 Provinzen Papua-Neuguineas liegen vier – Westneubritannien, Ostneubritannien, Neuirland und Manus – auf den Inseln des Bismarck-Archipels. Die mehrheitlich aus vulkanischem Ursprung entstammenden Inseln grenzen die Bismarck-See im Osten halbmondförmig vom Pazifischen Ozean ab. 

Erstmals entdeckt wurden die Inseln im frühen 17. Jahrhundert von niederländischen Seefahrern. Zu den wichtigsten Inseln gehören neben Neubritannien und den Duke-of-York-Inseln die Admiralitäts-Inseln, Neuirland und Lavongai.

Papua-Neuguinea

Während der westliche Teil der mit 786.000 Quadratkilometern nach Grönland zweitgrößten Insel der Erde, Neuguinea, seit 1828 eine niederländische Kolonie war und seit 1962 politisch zu Indonesien zählt, besteht der drittgrößte Inselstaat der Welt, Papua-Neuguinea, heute aus dem Ostteil der Insel Neuguinea und deren vorgelagerten Pazifikinseln. 

Der Staat zählt rund neun Millionen Einwohner. Die Mehrheit der Bevölkerung Papua-Neuguineas zählt zu den Volksstämmen der Papua, die in Papua-Neuguinea oft noch unbehelligt von äußeren Einflüssen in traditionellen Familienverbänden leben. 1885 wurde der Nordteil des heutigen Papua-Neuguinea unter dem Namen 'Kaiser-Wilhelm-Land' zum Protektorat der Berliner Neuguinea-Kompagnie, deren Ziel es war, Kolonialbesitz in der Südsee zu erwerben. 

Unter dem Namen 'Deutsch-Neuguinea' übernahm das Deutsche Reich 1899 Kaiser-Wilhelm-Land. Der Südteil des heutigen Papua-Neuguinea, der bereits seit 1888 unter britischer Herrschaft stand, wurde ab 1902 als 'Territorium Papua' von Australien aus verwaltet. 

Nach dem 1. Weltkrieg wurde auch Deutsch-Neuguinea der Verwaltung Australiens zugeschlagen. Das hieraus entstandene 'Territorium Neuguinea' und das 'Territorium Papua' votierten 1972 für ihre gemeinsame Unabhängigkeit. 

In seiner heutigen Form existiert Papua-Neuguinea seit 1975 als unabhängiger Staat unter britischer Krone im Commonwealth of Nations.

Die Geschichte des Archipels

Die Geschichte des Bismarck-Archipels ist eng verbunden mit der Kolonialgeschichte Neuguineas. Viele der heute verwendeten Inselnamen, so auch der Name der Duke-of-York-Inseln, gehen auf den frühen britischen Entdecker William Dampier zurück, der 1699 und 1700 auf mehreren der Inseln anlandete. Mit dem Hissen der deutschen Flagge auf Mioko im November 1884 begann die deutsche Inbesitznahme der pazifischen Inseln vor Neuguinea. 

Von hier aus startete die Inbesitznahme von Kaiser-Wilhelm-Land als Schutzgebiet der Neuguinea-Kompagnie.

Im September 1885 erhielt der Archipel schließlich den Namen Bismarck-Archipel. Die Duke-of-York-Inseln wurden fortan bis 1918 Neu-Lauenburg genannt. Herbertshöhe wurde 1899 Gouverneurssitz und bis 1910 Hauptstadt der Kolonie Deutsch-Neuguinea. 

Bei einer Volkszählung im Jahr 1912 wurden in Deutsch-Neuguinea rund 480.000 Einwohner gezählt, unter ihnen 772 Deutsche. 

Nach der Einnahme von Rabaul, der auf Herbertshöhe folgenden Kolonialhauptstadt durch australische Soldaten zum Ende des 1. Weltkriegs, wurde Herbertshöhe 1919 in Kokopo umbenannt. Im heutigen Papua-Neuguinea ist Kokopo die Hauptstadt der Provinz Ostneubritannien.

Die Insel Neubritannien

Das heutige Neubritannien, das zur Zeit der deutschen Kolonialbesatzung bis 1918 Neupommern hieß, ist mit mehr als 36.000 Quadratkilometern die größte Insel des Bismarck-Archipels. 

Entdeckt wurde Neubritannien im Jahr 1700 von William Dampier. Heute zählt die Insel, die seit 1966 in die beiden Provinzen Westneubritannien und Ostneubritannien unterteilt ist, rund 500.000 Einwohner. 

Insbesondere die Gazelle-Halbinsel im Nordosten Neubritanniens gehört zu den vulkanisch aktivsten Regionen weltweit. 

Hier liegt neben der ehemaligen Provinzhauptstadt Rabaul, die 1994 bei einem Ausbruch des nahegelegenen Vulkans Tavurvur völlig zerstört und an anderer Stelle neu aufgebaut wurde, auch die heutige Hauptstadt Kokopo, das unter dem Namen Herbertshöhe Hauptstadt der einstigen Kolonie Deutsch-Neuguinea war. 

Matupi, eine frühere Insel in der Rabaul vorgelagerten Blanchebucht, ist heute nach mehreren Ausbrüchen des Vulkans 'Mutter' mit dem Festland verbunden. 

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gazelle-Halbinsel und die Stadt Rabaul 1942 von japanischen Streitkräften eingenommen, die die Stadt erst nach der japanischen Kapitulation im Jahr 1945 wieder verließen.

Die Insel Neuirland

Das etwa 100.000 Einwohner zählende Neuirland ist mit 8650 Quadratkilometern im Vergleich zu Neubritannien wesentlich kleiner, der mehr als 2300 Meter hohe Mount Taron, der höchste Punkt der Insel gilt jedoch als einer der höchsten Berge des Bismarck-Archipels. 

Hauptstadt Neuirlands ist Kavieng am Nordkap der Insel, von wo aus ein Highway über 264 Kilometer entlang der Ostküste bis nach Namatanai in die zweitgrößte Inselortschaft führt. Kavieng ist auch die Hauptstadt der Provinz Neuirland, zu der neben der gleichnamigen Hauptinsel noch weitere 150 Eilande mit weiteren rund 90.000 Einwohnern zählen. 

Der Highway entlang der Ostküste Neuirlands ist heute benannt nach seinem Erbauer Franz Boluminski, einem preußischen Bezirksverwalter aus der Kolonialzeit, der die Ortschaften der seinerzeit Neu-Nordmecklenburg genannten Insel miteinander verband. Im Zweiten Weltkrieg war Neuirland wie Neubritannien von japanischen Streitkräften besetzt 

Die besten Tauchreviere

Zu den besten Tauchrevieren im Bismarck-Archipel gehört Kavieng im Norden Neuirlands, das im Übergang vom Pazifik zur Bismarck-See gelegen und insbesondere für seine Hai-Sichtungen bekannt ist. 

Durch die Militärbasen, die auf den Hauptinseln des Bismarck-Archipels im Pazifikkrieg 1942 bis 1945 von japanischen Streitkräften genutzt wurden und durch zahlreiche vor der Küste Neuirlands erfolgte Flugzeugabschüsse finden sich am Meeresgrund rund um Kavieng einige Flugzeugwracks, zu denen Tauchgänge möglich sind. 

Nahe Kavieng liegt zudem die Insel Lissenung mit der Albatross Passage, einem Tummelplatz für Thunfische, Barrakudas und Makrelen sowie für Riff- und Silberspitzenhaie. Die Artenvielfalt tropischer Fischarten im Bismarck-Archipel gehört weltweit zu den größten – wesentlich größer als die Artenvielfahrt in den Tauchrevieren der Karibik. 

Mehr als 900 verschiedene Fischarten sind so allein in der Bucht von Kimbe Bay im Norden Neubritanniens heimisch, was die Bucht zu einem weiteren Tauch-Hotspot im Bismarck-Archipel macht. 

Weitere sehenswerte Orte in Neuguinea

Es sind insbesondere die kulturellen Besonderheiten wie der traditionelle Manustanz auf der gleichnamigen Hauptinsel der Admiralitätsinseln, das Malagan Maskenfestival auf Neuirland oder die Baining Feuertänzer auf Neubritannien, die viele neugierige Reisende im Bismarck-Archipel in ihren Bann ziehen. 

Doch auch die geologischen Wunder im Bismarck-Archipel suchen weltweit ihresgleichen. So wie Matupi vor der Gazelle-Halbinsel ist auch Tuluman eine der jungen Inseln im Archipel, die erst in den vergangenen Jahrzehnten durch vulkanische Eruption und das anschließende rasche Erkalten der ausgeströmten Lava entstanden sind. 

Zu den noch immer aktiven Vulkanregionen im Bismarck-Archipel gehört auch Talasea auf Neubritannien, das ebenfalls eine Attraktion in der Region ist, die auch besichtigt werden kann. 

Und schließlich bieten die Eilande im Bismarck-Archipel noch viel unberührte Natur, die bei einem Spaziergang oder einer etwas anspruchsvolleren Wanderung für Naturliebhaber eine willkommene Abwechslung zu den heimischen Gefilden darstellen.

Entdecken Sie die Welt mit Costa Kreuzfahrten

Auf unseren Weltreisen gehört der pazifische Ozean selbstverständlich mit zu den Reisezielen, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten. Costa Deliziosa ist das nächste unserer Schiffe, das sich von Januar bis Mai 2022 aufmacht, einmal um die ganze Welt zu reisen. In Venedig, Civitavecchia/Rom, Savona und Barcelona können Sie im Januar 2022 für die große Weltreise der Costa Deliziosa einchecken, die dann nach maximal 127 Tagen wieder in dem von Ihnen favorisierten Hafen einläuft.