Unsere Großeltern schenken uns Liebe und Geborgenheit und spielen eine wichtige Rolle im Leben ihrer Enkel. Aus diesem Grund gebührt ihnen ein spezielles Fest – der Großelterntag, der in vielen Ländern der Welt gefeiert wird - damit wir niemals vergessen, welche Bedeutung sie für uns haben: Erfahren Sie etwas über die Entstehungsgeschichte und was es mit diesen besonderen Menschen seit der Frühgeschichte auf sich hat.

"Da sie frei von „direkten“ elterlichen (und beruflichen) Verpflichtungen sind, können sie Zeit und Energie in die Erziehung der nächsten Generation stecken und ihnen das im Laufe des Lebens angesammelte Wissen weitergeben. "

Entstehungsgeschichte

Das ursprüngliche Fest, das vielen Ländern als Inspiration diente, wurde 1978 vom amerikanischen Präsident Jimmy Carter geschaffen. Initiatorin war eine hartnäckige Hausfrau aus der Kleinstadt Oak Hill in West Virginia: Marian McQuade, die 15 Kinder und mehr als 40 Enkel hat, wirkte jahrelang auf die Gouverneure und Parlamentarier der amerikanischen Staaten ein, damit sie einen offiziellen Feiertag, den National Grandparents Day, einrichteten. Er wird am ersten Sonntag im September nach dem Labor Day gefeiert, der das „inoffizielle“ Ende des Sommers einläutet.

Der Großelterntag weltweit

Der Großelterntag hat sich nach und nach auch in der übrigen Welt verbreitet, wird aber an unterschiedlichen Daten gefeiert, in Italien zum Beispiel am 2. Oktober (am Tag der Schutzengel), in Großbritannien am ersten Sonntag im Oktober, in Spanien und Brasilien am 26. Juli (dem Tag der Heiligen Joachim und Anna, der Großeltern Jesu Christi), in Mexiko am 28. August, in Australien am letzten Sonntag im Oktober und in Singapur am vierten Sonntag im November. Interessanterweise gibt es ihn in Polen seit 1964, seitdem ihn die Wochenzeitschrift Kobieta i Życie ins Leben gerufen hat. In Frankreich wurde hingegen 1987 der Omatag von einer Kaffeemarke als Marketingidee lanciert, um sich dann als Fest zu etablieren, das am ersten Sonntag im März begangen wird; den Großeltern ist ein eigner Tag gewidmet, und zwar der erste Sonntag im Oktober. Und in Deutschland gibt es seit 2013 am zweiten Sonntag im Oktober ebenfalls einen Omatag.

Blumen und Lieder

Der Großelterntag hat auch eine offizielle Blume, das bekannte Vergissmeinnicht (Myosotis), das sich durch seine hübschen blauen Blüten auszeichnet und in einigen Ländern den Großeltern als Zeichen der Zuneigung geschenkt wird. Außerdem gibt es einige „offizielle“ Lieder: In den USA zum Beispiel A Song for Grandma and Grandpa von Johnny Prill, während der italienische Liedermacher Walter Bassani Tu sarai geschrieben hat, das in zahlreiche Sprachen, darunter Spanisch, Englisch, Deutsch, Niederländisch und Französisch, übersetzt wurde.

Die Großeltern im Lauf der Evolution

Man hat ausgerechnet, dass die Menschen in der westlichen Gesellschaft im Durchschnitt ein Drittel ihres Lebens „als Großeltern“ verbringen. Dies ist eine lange Zeitspanne und im Reich der Tiere eher ungewöhnlich, hat aber nach einigen Theorien eine wichtige Rolle für den Erfolg unserer Spezies seit der Frühgeschichte gespielt. Der menschliche Nachwuchs braucht lange, bis er selbstständig wird; die meiste Zeit kümmern sich die Eltern um ihn, aber die Unterstützung der Großeltern erweist sich oft als ausschlaggebend. Da sie frei von „direkten“ elterlichen (und beruflichen) Verpflichtungen sind, können sie Zeit und Energie in die Erziehung der nächsten Generation stecken und ihnen das im Laufe des Lebens angesammelte Wissen weitergeben. Darüber hinaus ist das Großeltern-Sein gut für die Gesundheit: Die in Australien durchgeführte Studie Women’s Health Aging Project hat ergeben, dass sich das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, vermindert, wenn Großmütter einen Tag in der Woche mit ihren Enkeln verbringen. Der Kontakt zu Kindern mindert das Risiko von sozialer Isolation und Depression, vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden und macht glücklich.

Aber nicht nur die Großeltern sind glücklich, auf ihre Enkel aufzupassen, auch die Eltern, die sie ihnen anvertrauen, sind darüber froh. Das kommt immer häufiger vor, insbesondere aus beruflichen Gründen: Die Statistiken besagen, dass heute in den größeren EU-Ländern mehr als 50% der Großeltern auf die Enkel aufpasst, wenn die Eltern nicht da sind, während es in Großbritannien sogar 63% sind (17% passen mehr als 10 Stunden die Woche auf).

Fotos: OLYCOM/MONDADORI PORTFOLIO