Ein einfaches Gericht, das leicht zuzubereiten ist und köstlich schmeckt: die Pizza. Vor einigen Jahrhunderten als bescheidenes Streetfood in Neapel entstanden, hat sie sich zu einem der weltweit beliebtesten „schnellen Imbisse“ entwickelt, den Erwachsene wie Kinder gleichermaßen lieben. Auf ihrer Reise zum Erfolg hat sie sich weiterentwickelt und an die unterschiedlichen kulinarischen Traditionen angepasst, wobei häufig kuriose Kombinationen entstanden sind. Außerdem hat sie interessante Geschichten und Rekorde gesammelt.

"Die längste Pizza der Welt wurde 2016 in Neapel gebacken, sie brachte es auf 1.853,88 Meter. "

Die wahre Geschichte der Pizza Margherita

Es heißt, dass die berühmteste Pizza 1889 vom neapolitanischen Pizzabäcker Raffaele Esposito anlässlich des Besuchs des italienischen Königs Umberto von Savoien und seiner Frau Margherita geschaffen wurde. Die Königin bevorzugte von den drei Pizzen, die für sie zubereitet wurden, jene mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum (weiß-rot-grün stand für die italienische Flagge). Ihr zu Ehren erhielt sie den Namen Margherita. In Wirklichkeit existierte eine Pizza mit diesen Zutaten aber schon seit mindestens hundert Jahren und es scheint, dass man sie ´Margherita` nannte, da die Mozzarellascheiben strahlenförmig wie die Blüte einer Margerite von der Mitte der Pizza aus angeordnet wurden.

Vielfältige Mehle

Zutaten und Zubereitung der traditionellen neapolitanischen Pizza unterliegen bestimmten Regeln, die unter anderem vorsehen, dass Mehl aus Weichweizen der Kategorie 00 verwendet wird, das in Deutschland der Type 405 entspricht (in Frankreich der 45 und in den Vereinigten Staaten wird es als Pastry flour bezeichnet). In den letzten Jahren experimentieren die Pizzabäcker allerdings mit den unterschiedlichsten Mehlen, zum Beispiel, um besonders knusprige oder lockere Pizzen herzustellen, neue Geschmacksnuancen für besondere Füllungen zu kreieren oder auch, um den Bedürfnissen von Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit entgegen zu kommen. Beliebt ist Pizza mit Weizenvollkornmehl, aber auch Mehle aus Roggen, Kichererbsen, Dinkel, Hafer, Reis, Kastanien, Gerste, Mais, Quinoa, Lupinen und Linsen kommen zum Einsatz.

Der Pizzabelag

Pizza kann auf jede nur vorstellbare Weise belegt werden, für eine echte italienische Pizza sollte man sich jedoch auf wenige, hochwertige Zutaten beschränken. In Italien ist das Angebot an ausgezeichneten Produkten groß. Liebhaber von Wurstwaren werden eine Pizza mit gekochtem Schinken aus Parma oder rohem San-Daniele-Schinken schätzen. Wer Käse mag, kann eine Pizza mit Gorgonzola DOP aus der Provinz Novara im Piemont in Kombination mit Abate-Birnen kosten. Ein besonderer Genuss ist auch eine Pizza mit lombardischem Mascarpone und Walnüssen aus Sorrento. Dazu passen Oliven der Sorte Taggiasca, Steinpilze und Zwiebeln aus Tropea. Schließlich wird die Pizza natürlich noch mit ein wenig kaltgepresstem Olivenöl beträufelt: aus der Toskana, wenn Sie fruchtiges, leichtes Öl mögen, aus Apulien, wenn Sie ein kräftiges Öl bevorzugen. Berühmte Botschafter „Die schöne Sylvia beißt in dieses köstliche, typisch italienische Produkt, das mit seinen lebhaften Farben und dem wunderbaren Duft die Lebensfreude unseres Landes in sich zu vereinen scheint“: Sylvia ist die herrliche Anita Ekberg und das ´Produkt` die Pizza. Das Zitat stammt aus Federico Fellinis „La Dolce Vita“ von 1960, einem Meilenstein des italienischen Kinos. In den 1960er Jahren trat die Pizza auch ihren Siegeszug um die Welt an und heute, ein halbes Jahrhundert später, ist die Liste der Stars, die sie lieben, lang: Katy Perry, Beyoncé, Heidi Klum, Ryan Gosling, Brad Pitt, Scarlett Johansson und Meryl Streep, um nur einige zu nennen. Jennifer Lawrences Bemerkung während eines Interviews, dass „Pizza alles in Ordnung bringt“, wurde zum Internet-Hit. Bei Mariah Carey gibt es Pizza zum Frühstück, und Gwyneth Paltrow hat sogar einen Holzofen im Garten, um traditionelle Pizza zu backen.

Rekord-Pizzen

Die Pizza hat es sogar ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft: Die längste Pizza der Welt wurde 2016 in Neapel gebacken, sie brachte es auf 1.853,88 Meter. An ihr waren 250 Pizzabäcker beteiligt, die 2.000 Kilo Mehl, 1.600 Kilo Tomaten, 2.000 Kilo Mozzarella sowie 200 Liter Olivenöl verarbeiteten. Sie wurde auf ein Backblech gelegt, das in vier auf Rädern montierte, spezielle Holzöfen geschoben wurde, die jeweils 25 Personen bedienten. Die größte Pizza entstand dagegen 2012 in Rom und wurde zu Ehren von Kaiser Octavian (Augustus) Ottavia genannt. Sie hatte einen Durchmesser von 40 Metern und wurde auf einem 1.200 Quadratmeter großen Areal erschaffen.

Die besten Pizzen Italiens

In Neapel gibt es die beste traditionelle Pizza bei Sorbillo, einem Traditionslokal in der Via dei Tribunali; bei Starita im Viertel Materdei; bei Michele in der Nähe des Doms, wo es ausschließlich Margherita und Marinara gibt, und bei Concettina ai Tre Santi im Viertel Sanità, das der junge Ciro Oliva leitet, der schon als Meisterpizzabäcker gilt. Aber auch im übrigen Italien findet man ausgezeichnete Pizzerien: Perbacco in La Morra im Piemont; Montegrigna By Tric Trac in Legnano in der Lombardei; Santarpia in Florenz in der Toskana. Eine Gourmet-Variante schlägt hingegen die Pizzeria Da Esio in Alano di Piave im Veneto vor: Sie wird belegt mit gebackenen Topinamburknollen, Mozzarella Fiordilatte, Grünkohl-Chips, Grünkohlsaft und chinesischem Pu´erh-Tee.

Fotos: MONDADORI PORTFOLIO/OLYCOM

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