Sie ist die unbekannteste der bekannten Kirchen in Barcelona. Doch auch wenn die Sagrada Familia mit Design und Geschichte und die Basilika Santa Maria del Mar mit ihren Bezügen zur Seefahrt bedeutender erscheinen, ist aus religiöser Sicht die Kathedrale La Seu als Bischofssitz in Barcelona das Zentrum der kirchlichen Macht. Erbaut im gotischen Stil wartete die Kathedrale mehr als 400 Jahre, bis sie ihr heutiges Aussehen erhielt. Doch im Gegensatz zur Sagrada Familia, dem Lebenswerk des großen katalanischen Architekten Antoni Gaudí, war La Seu nie eine ewig unvollendete Baustelle, sondern konnte von Beginn an ihrer Bestimmung als Versammlungsort für die christliche Gemeinde der stetig wachsenden Stadt Barcelona gerecht werden. Im Barri Gòtic, dem Altstadtviertel in Barcelona, war La Seu der alltägliche Lebensmittelpunkt der Bewohner. Heute gehört die Kathedrale mit ihrer beeindruckenden Fassade, der historischen Innenausstattung und natürlich mit ihrem Kreuzgang und der hier lebenden 'heiligen' Gänseschar zu jedem Barcelona-Besuch dazu. In unserem Text zur Kathedrale La Seu, die wie die Sagrada Familia und der Hausberg Barcelonas Montjuic auch Bestandteil unseres geführten Stadtrundgangs in Barcelona ist, lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Bau und Geschichte von La Seu

Wann genau die erste frühchristliche Kirche in Barcelona gebaut wurde, ist bis heute nicht exakt geklärt. Dass es in Barcelona bereits im Jahr 985 eine frühchristliche Kirche gab, die in jenem Jahr die Zerstörung der Stadt durch den Maurenherrscher Almansor übersteht, ist hingegen historisch verbrieft. Genauso, dass die Kathedrale La Seu in Barcelona auf den Fundamenten einer 1058 fertig gestellten romanischen Basilika steht. Die heutige Kathedrale, die ab 1298 erbaut wird, ist im gotischen Stil gehalten. Sie besteht aus drei Schiffen und wird 1417 vollendet. Die achteckigen Glockentürme stehen bereits einige Jahre zuvor. 

Das zur Kathedrale gehörige Kloster und der Kreuzgang werden hingegen erst 1448 fertig gestellt. Einen großen Umbau erfährt La Seu Ende des 19. Jahrhunderts, als die bis dahin schmucklose Fassade nach Bauplänen aus dem 15. Jahrhundert neugotisch umgestaltet wird. 1913 werden die Fassade, die beiden Seitentürme sowie der Hauptturm eingeweiht. Gewidmet ist die Kathedrale dem Heiligen Kreuz und der heiligen Eulalia, deren Grab sich in der 1329 fertiggestellten Krypta von La Seu befindet. Der Name 'La Seu' ist der in Barcelona gebräuchliche Name für die als Bischofssitz dienende Kathedrale.

Gotischer Stil

Auf der Zeitachse ist die Architektur- und Kunstepoche der Gotik zwischen dem späten 12. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angesiedelt. Erste frühgotische Bauten finden sich um 1140 im Großraum Paris. Die Kathedrale La Seu in Barcelona fällt in die Architektur der Hochgotik, die im Heiligen Römischen Reich um das Jahr 1250 begann und bis 1350 andauerte. Rippengewölbe, Spitzbögen und Strebepfeiler werden in gotischen Bauten zu jener Zeit oft in den Außenbau verlagert. In neu entstehenden Wanddurchbrüchen werden spitz zulaufende Glasfenster eingesetzt.

Da die Wände und Gewölbemassen gotischer Kirchen dünner und leichter sind als die früheren romanischen Kirchen, erreichen gotische Kirchtürme, Zeichen der Machtansprüche ihrer Erbauer, größere Höhen. Beispiele hierfür sind die beiden 157 Meter hohen Türme des Kölner Doms und der 162 Meter hohe Westturm des Ulmer Münsters, die – beide in der Gotik geplant und in der Neugotik des 19. Jahrhunderts vollendet – zu den höchsten Kirchtürmen der Welt gehören. Die Kathedrale La Seu in Barcelona zählt indes zu den ersten großen Sakralbauten der Hochgotik in Spanien.

Barri Gòtic – Das Gotische Viertel

Die engen Altstadtgassen des heutigen Barri Gòtic sind die geschichtliche Keimzelle Barcelonas. Hier gründeten die Römer 133 vor Christus ihre Kolonie Barcino. 500 Jahre lang sollten sie bleiben, bevor die Westgoten im frühen 5. Jahrhundert Barcino von den Römern erobern. Mit seiner acht Meter dicken, an den 78 Wachtürmen bis zu 18 Meter hohen und 1270 Meter langen Stadtmauer ist die römische Kolonie bis dahin zur Heimat für mehr als 4000 Menschen geworden. Und die Stadt wächst weiter. In El Call, der jüdischen Gemeinde, lebt im 13. Jahrhundert etwa ein Zehntel der insgesamt 40.000 Einwohner Barcelonas. Bis zu ihrem Abriss 1856 bleibt die Stadtmauer die starre Grenze der Stadt, wenngleich ab dem 15. Jahrhundert auch außerhalb der Mauer bereits gebaut werden darf. Seit dem Abriss der Stadtmauer vergrößert sich Barcelona rasant in alle Richtungen. Mehrmals wird das Barri Gòtic mit seinem Mittelpunkt, der Kathedrale La Seu komplett saniert, sodass das Stadtviertel heute mit zahlreichen kleinen Boutiquen, Cafés, Tapas-Bars und Restaurants ein gut besuchter Hotspot für Einwohner und Besucher Barcelonas ist. 

Das Innere und der Kreuzgang

Zur beeindruckenden Innenausstattung der Kathedrale La Seu gehört das Chorgestühl aus dem 15. Jahrhundert mit dem Wappen des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Mitglieder 1519 auf Geheiß von Kaiser Karl V. ihre einzige jemals außerhalb Flanderns durchgeführte Versammlung in La Seu abhielten. In der Krypta der Kathedrale findet sich indes das Grab der um das Jahr 300 als Märtyrerin gestorbenen Santa Eulalia, einer Schutzpatronin Barcelonas. An Santa Eulalia erinnern auch die 13 weiße Gänse, die im Kreuzgang von La Seu umherwandern und den zentralen Brunnen als ihre Heimat ansehen. Die Gänse symbolisieren die 13 Lebensjahre, die Eulalia zum Zeitpunkt ihres Todes zählte. Doch die Gänse erfüllen auch einen Zweck, denn der Legende nach konnte eine anwesende Gänseschar während der Bauarbeiten an der Kathedrale mit lautem Geschnatter schon einmal einen Einbruch in das Gotteshaus verhindern. Vom Kreuzgang sind es dann nur noch ein paar Schritte bis in das Museum, in dem zwei kostbare Statuen der heiligen Eulalia zu den Ausstellungsstücken gehören. Über einen Aufzug gelangen Besucher zudem auf das Dach von La Seu, von wo aus sich ein toller 360-Grad-Blick auf Barcelona und auf das Barri Gòtic bietet.

Die Fassade

Mit der heutigen prächtigen Fassade von La Seu hat die ursprüngliche Fassade der Kathedrale über Jahrhunderte nur wenig gemein. Als Hauptportal dient mehr als 500 Jahre lang das St. Ivo-Portal an der linken Seite des Gotteshauses. Nachdem die Hauptfassade auf der Placa de La Seu lange Zeit einen schmucklosen Eindruck hinterlassen hat, unterstützt Ende des 19. Jahrhunderts der Industrielle Manuel Girona y Agrafel die Sanierung der Vorderfront von La Seu finanziell. 1913 wird die Fassade der Kathedrale im neugotischen Stil vollendet und eingeweiht. Das heutige Eingangsportal wird gesäumt von Statuen von Jesus Christus und den 12 Aposteln, der 70 Meter hohe Hauptturm ist gekrönt mit einer Figur der heiligen Helena.

Informationen für Ihren Besuch

Mit der U-Bahn erreichen Sie die Kathedrale La Seu in Barcelona über die Metrolinie 4 an der Station Jaume I. Touristenbusse (Hop-on Hop-off) halten in unmittelbarer Nähe an der Station Barri Gòtic. Geöffnet ist die Kathedrale täglich von 8.45 bis 19:30 Uhr. In den Morgenstunden bis 12:45 Uhr und am Abend ab 17:15 Uhr ist der Eintritt zur Kathedrale frei, lediglich der Besuch des Chors und des Dachs kosten jeweils 3,- Euro. Im Zeitraum 13:00 bis 17:00 Uhr ist der Besuch von La Seu kostenpflichtig. Im Besucherpreis von 7,- Euro ist dann der Besuch von Dach und Chor inbegriffen.

Sehenswürdigkeiten in Barcelona

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten, die Sie in Barcelona erleben können gehört die Architektur Antoni Gaudís. Gaudí ist in Barcelona allgegenwärtig, so zum Beispiel in der Sagrada Familia, im Park Güell (Metrostation Lesseps, Linie 3), sowie im Casa Battló (Metrostation Passeig de Garcia, Linie 2,3 und 4) inmitten des Jugendstilviertels Exaimple. 

Fußläufig entfernt zur Kathedrale La Seu erreichen Sie auch die Basilika Santa Maria del Mar (Metrostation Jaume I, Linie 4), die 'Kirche der Matrosen'. Aus der breiten Museumslandschaft Barcelonas sticht insbesondere das Museu Picasso (Metrostation Jaume I, Linie 4) mit seiner Sammlung von mehr als 4000 Werken des weltbekannten Malers heraus. Sofern Sie Fußballfan sind, ist der Besuch des Camp Nou (Metrostation Palau Reial, Linie 3), der Heimspielstätte des FC Barcelona, natürlich ein absolutes Muss. Für Aktive mit dem Ausgangspunkt Kolumbusstatue (Metrostation Drassanes, Linie 3) empfiehlt sich zudem ein ausgedehnter Spaziergang über die Einkaufsstraße Ramblas mit ihren Märkten und Blumenständen oder durch die quirligen Altstadtgassen der Ciudat Veila zum Stadtstrand Barceloneta (Metrostation Barceloneta, Linie 4) und weiter ins Olympische Dorf, die Heimat der Athleten während der Olympischen Sommerspiele 1992.

Entdecken Sie das Mittelmeer mit Costa Kreuzfahrten

Barcelona ist eine der großartigsten Städte im Mittelmeerraum und daher für Costa Kreuzfahrten einer der bedeutendsten Häfen. Ob als Anlaufhafen der großen Atlantiküberquerungen mit Costa Fascinosa und Costa Fortuna oder als Endpunkt unserer Dubai-Reisen mit Costa Pacifica – ein Stopp in Barcelona gehört zu vielen unserer Kreuzfahrten einfach dazu. Dies natürlich auch bei unseren sechs-, acht- oder 15-tägigen Mittelmeerkreuzfahrten, die mit Costa Diadema von Barcelona aus starten. Diese Reisen finden in Barcelona auch wieder ihr Ende, sodass Sie vor Beginn oder im Anschluss an Ihre Kreuzfahrt die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt noch für ein paar Tage länger unter die Lupe nehmen können.