Sie ist die Königin der Basiliken weltweit und eine nahezu immerwährende Baustelle. 2026, zum 100. Todestag ihres genialen Planers, des Architekten Antoni Gaudi, sollte die Sagrada Familia in Barcelona fertiggestellt sein. Es wird wohl noch etwas länger dauern, denn auch 140 Jahre nach Baubeginn und nach einer wechselvollen Entstehungsgeschichte ist die endgültige Fertigstellung der ausschließlich aus Spendengeldern finanzierten Basilika noch immer nicht in trockenen Tüchern. Doch auch unvollendet ist das Wahrzeichen Barcelonas eine Sehenswürdigkeit, die Sie so schnell nicht vergessen werden. 18 Kirchtürme werden nach der Fertigstellung der Basilika gen Himmel zeigen – und jeder einzelne Turm birgt eine eigene Bedeutung. Der höchste der Türme ist Jesus Christus gewidmet. Er wird nach seiner Fertigstellung der höchste Kirchturm der Welt sein – und dem Ulmer Münster diesen Titel abnehmen. Die Geschichte der Sagrada Familia: 

Die Baugeschichte

Als am 19. März 1882 der Grundstein für die von Francisco del Villar y Lozano geplante gotische Kirche zu Ehren der Heiligen Familie gelegt wird, ahnt der Architekt nicht, dass er sich bereits nach einem Jahr wieder aus dem Projekt wird zurückziehen müssen. Unstimmigkeiten lassen die Geldgeber des Kirchenbaus die Bauleitung an den jungen Architekten Antoni Gaudí übertragen. Dieser hat große Pläne. Auf 200 Jahre setzt Gaudí die Bauzeit der Sagrada Familia an. Einen Bauplan wie sein Vorgänger hat er nicht. Nach seinem Tod will Gaudí die zukünftigen Generationen ihrer Einflüsse auf den Kirchenbau nicht berauben, auch wenn er selbst zu seinen Lebzeiten nur die Fertigstellung der Krypta und des Glockenturms des Barnabas noch erlebt. Die Zerstörungen im Spanischen Bürgerkrieg können den Kirchenbau nicht stoppen. 1954 wird der Grundstein zur Passionsfasssade gelegt, 1978 beginnen die Fassadenbauten der Seitenschiffe. Seit 2011 zählen die Weihnachtsfassade und die Krypta des Tempels der 2010 von Papst Benedikt XVI. geweihten und zur Basilika erhobenen Sagrada Familia zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten. Seither gewinnt die Basilika vor allem an Höhe: 138 Meter misst der Turm der Jungfrau Maria, der nach seiner Fertigstellung nur noch vom 172 Meter hohen Christusturm überragt werden, wird. 

Der Planer – Antoni Gaudí

1852 in Reus südlich von Barcelona geboren stellt sich Antoni Gaudi früh in seinem Architekturstudium als mathematisches Genie heraus. Er berechnet, er skizziert, er konstruiert Modelle, an denen er sich orientiert, während sich seine Kollegen an starren Bauplänen abarbeiten. Neben dem Studium lernt Gaudí bei Schreinern, Glasmachern und Schlossern – und bringt diese Kenntnisse in seine Architektur ein, die das Stadtbild Barcelonas bis heute prägt. Nach dem Studium gehört der Unternehmer Eusebi Güell zu Antoni Gaudís frühen Förderern. 1886 beauftragt er Gaudí mit dem Bau des Palau Güell. Der Bischofspalast in Astorga und der Umbau des Casa Battló zählen zu Gaudís weiteren bedeutenden Werken, wie auch die Gestaltung des Park Güell in Barcelona, in dem Gaudí 1906 eine Villa bezieht. 1914 widmet sich Gaudí dann vollständig seinem Lebenswerk, dem Bau der Sagrada Familia, in die er wenige Monate vor seinem Tod auch seinen Lebensmittelpunkt verlegt. Im Juni 1926 wird Antoni Gaudí bei einem Unfall mit einer Straßenbahn schwer verletzt. Er stirbt wenige Tage nach dem Unfall. Bis heute ruhen Gaudís sterbliche Überreste in der Krypta der Sagrada Familia.

Modernismus – der katalanische Jugendstil

Es ist eine Zeit des Wandels, in der sich Ende des 19. Jahrhunderts Kunst und Literatur, Musik und Architektur von Neogotik und Neoromanik abwenden. Der Jugendstil – im französischen Sprachraum auch als Art Nouveau bekannt – reformiert zuvor Gesehenes, Gehörtes und Gebautes. Während sich in Deutschland die Darmstädter Künstlerkolonie um den Architekten Joseph Maria Olbrich als Zentrum des Jugendstiles etabliert, schafft sich der katalanische Modernismus in Barcelona sein Zentrum. Das Neubauviertel Exiample, seinerzeit noch am Stadtrand Barcelonas gelegen, wird zum Tummelplatz junger Musiker, Literaten, Maler und Architekten wie Antoni Gaudí. Ihr Refugium, die Cabaretbar Els Quatre Gats, liegt in einem Jugendstlilhaus, dem Casa Martí an der Calle de Montsio. Heute ist das von Josep Puig i Cadafalch geplante Casa Martí, in dem auch Pablo Picasso Stammgast war, Teil der Ruta de Modernisme, einem sehenswerten Stadtrundgang zu 116 Werken des Modernismus in Barcelona.

Die Fassaden der Sagrada Familia

Die Weihnachtsfassade mit ihren vier Glockentürmen und den Portalen der Hoffnung, des Glaubens und der Barmherzigkeit ist die erste Fassade der Sagrada Familia, die vollendet wurde. Schildkröten als Symbol der Unveränderlichkeit und Chamäleons, die für den ständigen Wandel der Welt stehen, setzen die Natur als Schöpferin der Existenz ins Bild. Die Passionsfassade, auf der die letzten Lebenswochen von Jesus Christus erzählt werden, gestaltet Gaudí bereits 1911. Die bauliche Umsetzung der Fassade erlebt der Architekt nicht mehr, erst 50 Jahre nach Gaudís Tod wird sie fertiggestellt. Die letzte, derzeit noch im Bau befindliche Fassade ist die Fassade der Seligkeit. Auf ihr zeigt Gaudí die finalen Ereignisse des menschlichen Lebens – den Tod, das Jüngste Gericht, die Hölle und die Seligkeit. Die zwölf Glockentürme über den drei Fassaden sind den zwölf Aposteln gewidmet. Sie werden nach ihrer Fertigstellung 135 Meter hoch sein. Gaudìs eigentliche Absicht, die Weihnachtsfassade im aufgehenden und die Passionsfassade im untergehenden Sonnenlicht anstrahlen zu lassen, ließ sich nach dem Beginn der Arbeiten unter Gaudís Vorgänger nicht mehr realisieren.

Der Innenraum der Sagrada Familia

Mit ihrem Haupt- und vier Seitenschiffen im Grundriss eines lateinischen Kreuzes wird die Sagrada Familia nach ihrer Fertigstellung einer der größten Kirchenbauten weltweit sein. 1500 Sänger finden alleine auf den Emporen der äußeren Seitenschiffe Platz. Eindrucksvoll zeigt das Innere der Kathedrale Gaudís Talent in Bezug auf statische Berechnungen. Wie Bäume sind die Phorphyr-, Basalt- und Granitsäulen, die zum Teil am Hausberg Barcelonas, dem Montjuic abgebaut wurden, ineinander verzweigt. Die Verzweigungen im Inneren der Sagrada Familia tragen das Gewicht der Decke und des Kirchendaches. Die 1891 unter Antoni Gaudí fertiggestellte neugotische Krypta, ein Rundbau mit sieben Kapellen, und der darüber liegende Altarraum der Basilika liegen unter einer lichtdurchfluteten, von Säulen getragenen Kuppel, die der heiligen Maria gewidmet ist.

Die Symbolik der Sagrada Familia

Nahezu in jedem an und in der Sagrada Familia verbauten Stein verbirgt sich eine symbolische Bedeutung. Schon der Grundriss der Basilika, ein lateinisches Kreuz, stellt wie die meisten bildhaften Darstellungen an den Fassaden und Türmen Bezüge zum Leben von Jesus Christus, zu seinem Umfeld und zum christlichen Glauben her. Weitere Andeutungen und Gleichnisse beziehen sich auf katalanische und spanische Bistümer, auf die Kirchen Lateinamerikas und auf das weltweite Ausüben des christlichen Glaubens. Diabolische Symbole wie Schlangen, Eidechsen und Drachen finden sich fast ausschließlich außerhalb der Kirchenmauern. Lediglich in der Rosenkranzkapelle, in der die Versuchung in mehreren Szenen dargestellt wird, halten Teufelssymbole auch innerhalb der Kirchenmauern Einzug. Den Versuchungen der Teufelsfiguren widerstehen die Verführten jedoch durch den Schutz, der Ihnen seitens der Heiligen Jungfrau Maria zuteilwird.

Informationen zu Ihrem Besuch

Mit der U-Bahn erreichen Sie die Sagrada Familia in Barcelona über die Metrolinien 2 (violett) und 5 (blau) an der Station Sagrada Familia. Auch Touristenbusse (Hop-on Hop-off) halten in unmittelbarer Nähe. Geöffnet ist die Basilika im Sommer (April bis September) von 9 bis 20 Uhr, im Oktober von 9 bis 19 Uhr. Eintrittstickets können Sie bis 30 Minuten vor Schließung kaufen, Vorausbuchungen werden empfohlen. Kirchen-, Turm- oder Fassadenführungen in unterschiedlichen Sprachen können ebenfalls vor Ort oder vorab im Internet gebucht werden. In der Basilika gelten Kleidungsstandards - knielange Hosen und Röcke sind verpflichtend. Auch Schultern und Bauch müssen Sie bedecken. Hüte, Mützen sowie das Betreten der Basilika barfuß oder in Badekleidung ist verboten.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Barcelona

Weitere Sehenswürdigkeiten in Barcelona? Die Architektur Antoni Gaudís ist in Barcelona auch abseits der Sagrada Familia allgegenwärtig, so zum Beispiel im Park Güell (Metrostation Lesseps, Linie 3), den Gaudí für seinen Förderer Eusebi Güell gestaltete, sowie im Casa Battló (Metrostation Passeig de Garcia, Linie 2,3 und 4) inmitten des Jugendstilviertels Exaimple. Bischofssitz und damit die bedeutendste Kirche Barcelonas ist die Kathedrale Santa Eulalia im gotischen Viertel der Stadt (Metrostation Jaume I, Linie 4). Von hier erreichen Sie auch die Basilika Santa Maria del Mar (Metrostation Jaume I, Linie 4), die 'Kirche der Matrosen' fußläufig. Aus der breiten Museumslandschaft Barcelonas sticht insbesondere das Museu Picasso (Metrostation Jaume I, Linie 4) mit seiner Sammlung von mehr als 4000 Werken des weltbekannten Malers heraus. Sofern Sie Fußballfan sind, ist der Besuch des Camp Nou (Metrostation Palau Reial, Linie 3), der Heimspielstätte des FC Barcelona, natürlich ein absolutes Muss. Für Aktive mit dem Ausgangspunkt Kolumbusstatue (Metrostation Drassanes, Linie 3) empfiehlt sich zudem ein ausgedehnter Spaziergang über die Einkaufsstraße Ramblas mit ihren Märkten und Blumenständen oder durch die quirligen Altstadtgassen der Ciudat Veila zum Stadtstrand Barceloneta (Metrostation Barceloneta, Linie 4) und weiter ins Olympische Dorf, in die Heimat der Athleten während der Olympischen Sommerspiele 1992.

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