Jagdschloss, Festung oder ein Ort der Entspannung und des Lernens? Um das Castel del Monte nahe Bari ranken sich viele Legenden – auch wegen seines Erbauers, Friedrich II., einem der bekanntesten römisch-deutschen Kaiser des Mittelalters. Fast drei Jahrzehnte hat der letzte Stauferkaiser Apulien, Kampanien und Sizilien geprägt, viele seiner Bauten sind bis heute erhalten geblieben. Doch auch Friedrich selbst ist nach Jahrhunderte langer Forschung noch ein Mysterium – verzerrt und zerrieben in der Geschichtsschreibung der vergangenen 900 Jahre. Bildung und Neugier – soviel scheint gesichert – waren dem Kaiser nicht fern, der Spitzname 'stupor mundi', das 'Staunen der Welt', spricht Bände. Das Castel del Monte ist das scheinbar undurchdringbare Erbe eines ebenso undurchdringbaren Herrschers. In diesem Text gehen wir mit Ihnen auf die Suche nach den Geheimnissen von Friedrich II. und dem Castel del Monte:

Der Bauherr Friedrich II

Nach dem Tod seines Vaters Heinrich VI. wird Friedrich II. 1198 im Alter von vier Jahren zum König von Sizilien. König des Deutschen Reiches und somit Nachfolger Heinrichs kann der minderjährige Friedrich zu dieser Zeit nicht werden. Stattdessen sichert sein Onkel Philipp von Schwaben Friedrichs Thronanspruch. Der jedoch gerät im Deutschen Thronstreit mit dem Welfen Otto von Braunschweig an einen Gegenkönig. Nach Philipps Tod wird Friedrich 1212 mit Unterstützung von Papst Innozenz III. zum römisch-deutschen König gekrönt, 1215 endet der Deutsche Thronstreit mit der Niederlage Ottos in der Schlacht von Bouvines. 1220 wird Friedrich II. in Rom Kaiser des römisch-deutschen Reiches, vier Jahre später gründet er die Universität von Neapel. Seinen Papst Innozenz im Jahr 1215 versprochenen Kreuzzug nach Jerusalem beendet Friedrich 1229 unblutig mit dem Frieden von Jaffa, wodurch er auch zum König von Jerusalem wird. 1250 stirbt Friedrich II. von der Kirche exkommuniziert auf Sizilien, in der Geschichtsschreibung polarisiert er bis heute. Viele Kirchenschreiber des Mittelalters brandmarken Friedrich als Tyrannen und Kirchenverfolger. In Apulien jedoch ist Friedrich II. bis heute eine Identifikationsfigur, der mit zahlreichen Bauten wie dem Castel del Monte für ein goldenes Zeitalter der Region steht. 

Die Geschichte des Kastells

Auch Jahrhunderte nach dem Bau des Castel del Monte in den Jahren 1240 bis 1250 ist der Zweck, den Friedrich II. mit dem Kastell verfolgte ein Mysterium. In den drei Jahrzehnten seiner kaiserlichen Regentschaft hält sich Friedrich II. ab 1220 vorwiegend in Kampanien und in Apulien auf. Auf Sizilien errichtet er mit dem Castello d'Augusta und dem Castello Maniace in Syracus zwei Bauten, die der Sicherung seiner Herrschaft dienen. Am Castel del Monte hingegen fehlen festungstypische Elemente wie Gräben, Schießscharten und Mannschaftsräume. Im 16. Jahrhundert erwirbt die aus Neapel stammende Adelsfamilie Carafa das Castel del Monte. Nach Jahrzehnten des Leerstandes verkauft die Familie das Kastell 1876 an den italienischen Staat, der um das Jahr 1900 mit Restaurierungsarbeiten beginnt. Im späten 20. Jahrhundert folgen weitere Arbeiten, die das Kastell in seinen heutigen Zustand versetzen. Seit 1996 gehört das Castel del Monte zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO, seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 ist das Kastell auf der Rückseite italienischer Ein-Cent-Münzen verewigt. 

Der Baustil

Das achteckige, zweigeschossige Castel del Monte ist aus Marmor und hellem Kalkstein, der in Apulien gebrochen wurde, auf einem 540 Meter hohen Hügel der westlichen Murge-Hochebene nahe Andria erbaut. Die Zahl acht findet im Bau des Kastells eine immer wiederkehrende Bedeutung. An allen acht Ecken des Kastells befinden sich achteckige, jeweils 26 Meter hohe Türme mit jeweils sechs freiliegenden und zwei in die Mauern des Kastells eingebundenen Seiten. Auch der Innenhof des Castel del Monte ist achteckig, in den beiden Geschossen des Kastells gibt es jeweils acht Räume. Unterschiedliche Stilrichtungen, die die Herrscherzeit, die geschichtlichen Begebenheiten und die Interessen Friedrich II. nachzeichnen, machen das Kastell aus. Gut sichtbar werden verschiedene Einflüsse im nach Osten gewandten Eingangsportal, in dem romanische Löwen und gotische Säulenabschlüsse um islamisch inspirierte Einfassungen ergänzt werden. Einflüsse des Islam, der von Friedrich II. auf Sizilien bekämpft wurde während er zugleich im apulischen Lucera eine Kolonie mit Tausenden aus Sizilien umgesiedelten Sarazenen aufbaute, finden sich auch in den Mosaiken und im orientalischen Wassersystem des Kastells, das zum Sammeln und Verteilen von Regenwasser diente.

Das Innere

Im Inneren des Kastells gibt es eine Wegführung, die von den Erbauern erwünscht war. Der Eingangsraum hinter dem Hauptportal, heute der Kassenraum des Kastells, kann lediglich durch einen Durchgang nach rechts verlassen werden. Der einzige Weg aus diesem zweiten Raum, dem heutigen Souvenirshop, führt durch ein Portal in den Innenhof des Castel del Monte, in dem jeweils an den Tagen der Sonnenwende besondere Licht- und Schattenverhältnisse entstehen. Durch zwei weitere Portale können die anderen Innenräume des Kastells, die einst mit Mosaiken und prachtvollem Marmor ausgestattet waren, betreten werden. Hinter dem südlichen Innenportal liegen vier, hinter dem nordwestlichen Innenportal zwei aneinander gereihte Räume. Über steinerne Wendeltreppen in drei der Ecktürme wird das Obergeschoss des Kartells erreicht, in dem es einst einen Rundlaufbalkon gab. In den Ecktürmen des Kastells ohne Wendeltreppe befinden sich Funktionsräume. Die Frage nach den Gründen für die einzigartige Wegführung im Castel del Monte kann bis heute nicht eindeutig beantwortet werden. Die Theorien reichen von einer bewussten Irreführung möglicher feindlicher Besucher der Anlage bis zur unterschiedlichen Nutzung der Räume gemäß der sozialen Rangfolge der Bewohner. 

Informationen für den Besuch

Mehr als 200.000 Besucher statten dem Castel del Monte in Spitzenjahren einen Besuch ab. Damit  liegt das Kastell unter den beliebtesten italienischen Sehenswürdigkeiten an dreizehnter Stelle. Das Kastell ist ganzjährig geöffnet, vom 1. April bis zum 1. November fährt ein Bus von der nahe gelegenen Stadt Andria bis zum Kastell. In den Sommermonaten Anfang April bis Ende September schließt der Ticketverkauf um 18:00 Uhr, die Öffnungszeiten sind 10:15 bis 19:45 Uhr. Von Oktober bis Ende März kann das Kastell von 9:00 bis 18:45 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt kostet 7,- Euro, Ausnahme ist der erste Sonntag im Monat, an dem der Eintritt frei ist. Jugendliche unter 18 und Senioren über 65 Jahren haben ganzjährig freien Eintritt. 

Sehenswürdigkeiten im Umland

Nicht nur das Borgo Vecchia, die Altstadt Baris macht die Hauptstadt Apuliens zu einem der Highlights einer Mittelmeerkreuzfahrt. Die ab 1087 erbaute Basilika San Nicola ist bei einem Stadtrundgang durch Bari ein Muss, ebenso wie das Kastell der Stadt, das einst nach seiner Zerstörung von Friedrich II. wiederaufgebaut wurde. Im Umland Baris gehören die Trulli von Alberobello zu den außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten, die Sie bei einem Ausflug ab Bari besichtigen können. Die zylinderförmigen Bauten mit ihren Kuppeldächern, deren dicke Wände und ihr weißer Anstrich für Kühle im Sommer und Wärme im Winter sorgen, gehören zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO. Einen besonderen Bezug zur Filmgeschichte hat zudem die Stadt Matera, deren Felshöhlen, die Sassis, nicht nur Paolo Pasolini 1964 in seinem Film zur Matthäuspassion als Drehort dienten. Auch Mel Gibson besuchte den Ort 2004 bei den Dreharbeiten zu seinem Film „Die Passion Christi“. 

Entdecken Sie das Mittelmeer

Bari ist auf unseren Kreuzfahrten im östlichen Mittelmeer eine feste Größe. Die Stadt steht 2021 bei vielen fünf- und achttägigen Kreuzfahrten mit Costa Luminosa und Costa Deliziosa im Reiseplan. Auch die großen Weltreise, die mit Costa Deliziosa im Januar 2022 startet, macht in Bari einen Zwischenstopp. Im Sommer des kommenden Jahres sticht die Costa Magica dann von Bari aus in See. Zu unterschiedlichen Terminen sind von Juni bis September Catania, das maltesische Valletta sowie die griechischen Inseln Mykonos und Santorin Anlaufstationen der Costa Magica. Seien Sie dabei und entdecken Sie die Schönheit Apuliens und das Erbe des letzten Stauferkaisers Friedrich II. unter anderem im Castel del Monte.