Die Einfahrt mit einem Kreuzfahrtschiff vom offenen Meer in die Mündung des Flusses Tejo und vorbei am Torre de Belem weiter nach Lissabon gehört wie die Stadt selbst zu den spannendsten Passagen einer Atlantikkreuzfahrt. Einer der Gründe hierfür sind die beiden spektakulären Brücken über den Tejo, die es in Lissabon zu bestaunen gibt. Die Gründe, Brücken zu bauen ähneln sich häufig. So auch in Lissabon. Gab es vor dem Bau der Brücke des 25. April lediglich Fähren, um die Bewohner vom südlichen Tejoufer in die Stadt zu bringen, verkürzte die Brücke die Anfahrtszeit aus Richtung Süden immens. Doch schon früh zeigte sich, dass die Tejo-Brücke dem schnell steigenden Verkehrsaufkommen in Portugals Hauptstadt nicht gewachsen war. Nicht nur die Brücke war ständig verstopft, auch die Innenstadt Lissabons war in den 1970er und 1980er-Jahren ein Schmelztiegel aus Blech, Lärm und Abgasen. Eine neue Verbindung musste her, und als Portugal 1992 den Zuschlag zur Weltausstellung EXPO '98 erhielt, war der Bau der Vasco da Gama-Brücke schnell beschlossene Sache. Nach dem Startschuss im Februar 1995 dauerten die Bauvorbereitungen gerade einmal 18 Monate. Weitere 18 Monate lang wurde gebaut, sodass die Vasco da Gama-Brücke am 29. März 1998, zwei Monate vor Beginn der Expo '98, ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Doch damit nicht genug: Kaum hat sich die Vasco da Gama-Brücke als wichtiger Baustein etabliert, den Verkehrsfluss aus Richtung Süden und Osten nach Lissabon zu regulieren, wird bereits über eine dritte Brücke über den Tejo nachgedacht. Sie soll – sofern sie jemals realisiert wird – zwischen der Brücke des 25. April und der Vasca da Gama-Brücke verlaufen und den Verkehrsfluss in die portugiesische Hauptstadt weiter entlasten. 

Die interessantesten Fakten zu den Tejo-Brücken in Lissabon: 

Die Brücke des 25. April

Fast könnte man beim Annähern an die große rote Hängebrücke kurz vor der Ankunft am Kreuzfahrtpier von Lissabon den Eindruck bekommen, es handele sich um das Tor nach San Francisco, um die berühmte Golden Gate Bridge. Ein Trugschluss natürlich, denn das Einfahrtstor nach Lissabon ist die Brücke des 25. April. Die Ähnlichkeit zum berühmten Goldenen Tor ist jedoch erstaunlich – und die 'Ponte', wie die Einwohner Lissabons ihre Tejo-Brücke schlicht und einfach nennen, ist auch nur einen halben Kilometer kürzer als ihr amerikanisches Pendant. Der größte Unterschied ist jedoch deutlich sichtbar: Während die Golden Gate-Brücke nur eine Fahrebene hat, ist die Brücke des 25. April eine Doppelstockbrücke, auf deren unterer Ebene auch Züge fahren. Doch trotz des großen Unterschieds gibt es einen Bezug zwischen der Brücke in der portugiesischen und den Brücken in der kalifornischen Küstenmetropole: Gebaut wurde die Brücke des 25. April in Lissabon von der American Bridge Company, die auch in der Bucht von San Francisco aktiv war. Allerdings verewigte sich das Unternehmen dort nicht an der Golden Gate Bridge, sondern an der etwas weniger bekannten Bay Bridge.

Salazarbrücke

Die Brücke des 25. April wurde in den Jahren 1962 bis 1966 gebaut. Ihre Einweihung fand am 6. August 1966 statt – allerdings noch unter einem anderen Namen als dem heutigen. In den ersten Jahren nach ihrer Fertigstellung hieß die Brücke Salazarbrücke. Sie war António de Oliveira Salazar gewidmet, dem langjährigen Ministerpräsidenten Portugals, der das Land von 1932 bis 1968 regierte. 1974, vier Jahre nach dem Tod Salazars, beendete die Nelkenrevolution in Portugal den autoritären Salazarismus. Die Nelkenrevolution, ein Militärputsch am 25. April 1974, gilt als der friedliche Startschuss zum Machtübergang der Staatsgewalt in Portugal, das seit 1976 als Republik geführt wird. In Erinnerung an den Tag der Nelkenrevolution erhielt die Salazarbrücke ihren neuen Namen. Die Brücke ist mautpflichtig, 1994 und 1995 kam es nach einer Erhöhung der Brückenmaut zu Protesten. Ursprünglich sollte die Maut innerhalb von 20 Jahren nach deren Fertigstellung lediglich die Baukosten der Brücke des 25. April einbringen. Doch statt die Maut wie ursprünglich geplant abzuschaffen, wurde sie 1993 erhöht. Die zusätzlichen Einnahmen wurden seither nicht nur zur Erweiterung der Brücke des 25. April für den Eisenbahnverkehr genutzt, sondern auch zum Bau der Vasco da Gama-Brücke. 

Architektur

Gebaut wurde die Brücke des 25. April ursprünglich als Hängebrücke mit einem einzelnen Autodeck. Doch schon in der Planung wurden auch Vorbereitungen für eine spätere Erweiterung um ein zusätzliches Eisenbahndeck mit zwei Gleisen getroffen. Der Ausbau zur Doppelstockbrücke begann 1996. Um das Gewicht des zusätzlichen Decks und dessen Nutzung durch den Eisenbahnverkehr zu stemmen, wurden die beiden Stützpfeiler der Brücke, die Pylone, erhöht und zusätzliche Verankerungsblöcke für zwei neue Tragseile hergestellt. Die neuen, 35 Zentimeter dicken Tragseile ergänzen seither die beiden 59 Zentimeter dicken Hauptseile der Brücke. Seit der Fertigstellung des Eisenbahndecks im Jahr 1999 passieren die Personenzüge der Linha do Sul auf der Verbindung von Lissabon an die Algarve die Brücke des 25. April. Die Eisenbahnstrecke ist die zweitwichtigste Schienenverbindung Portugals. Heute nutzen täglich fast 500.000 Menschen die beiden Ebenen der Brücke, um per Auto oder Zug nach Lissabon zu kommen. 

Die Vasco da Gama-Brücke

Die zweite Brücke, die heute wesentlich das Stadtbild Lissabons prägt, ist die Vasco da Gama-Brücke im Osten der Stadt. Sie ist benannt nach dem berühmtesten portugiesischen Seefahrer, der 1498 den Seeweg von Europa um Südafrika herum nach Indien entdeckte. Mit einer Länge von 17,2 Kilometern ist die Vasco da Gama-Brücke eine der längsten Brücken Europas. Von Beginn an war ihr Bau ein europäisches Projekt. Unternehmen aus Großbritannien, Frankreich und Portugal waren am Bau der Brücke beteiligt, gemeinsam mussten sie einige Herausforderungen meistern. Nicht nur, dass es am westlichen Tejoufer, wo die Brücke auf dem Stadtgebiet Lissabons auf Land treffen sollte, Bewohner umzusiedeln gab. Es musste auch der strenge Erdbebenschutz rund um Lissabon bei den Bauplanungen berücksichtigt werden. Und schließlich überspannt die Vasco da Gama-Brücke ein Brackwasserbecken in der Tejomündung, ein ökologisch sensibles Gebiet, das vielen Vögeln als Rückzugsort dient. Erst als alle diese Dinge vorbereitend geklärt waren, konnten die Bauarbeiten an der Vasco da Gama-Brücke 1995 beginnen.

Architektur

3300 Bauarbeiter waren von 1995 bis 1998 am Bau der Vasco da Gama-Brücke beteiligt. Innerhalb von drei Jahren verarbeiteten sie mehr als 145.000 Tonnen Stahl und Unmengen an Beton. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Am westlichen Tejoufer eröffnet eine mit 192 Seilen gespannte Schrägseilbrücke das Bauwerk. Östlich davon schließt sich eine knapp zehn Kilometer lange Balkenbrücke an, die den Tejo in seiner kompletten Breite überspannt. Bei Flut kann die Schrägseilbrücke von Schiffen bis zu 45 Metern Höhe passiert werden. Kleinere Schiffe bis zu 30 Metern Höhe nutzen zudem zwei Fahrtrinnen in den Zwischenräumen der Balkenbrücke. Am östlichen Ufer des Tejo befindet sich an der Brückenauffahrt die Mautstelle der Autobahn A12, deren sechs Fahrstreifen über die Vasco da Gama-Brücke führen. Mautpflichtig ist die Passage der Brücke ausschließlich in Fahrtrichtung Lissabon.

Expo '98

Als sich Lissabon 1994 mit seiner Bewerbung um die Weltausstellung EXPO '98 gegen seinen kanadischen Konkurrenten Toronto durchsetzte, war die Freude groß. Fortan galt es, 500 Jahre nach der Entdeckung des Seewegs nach Indien Vasco da Gama und die große portugiesische Seefahrerzeit zu würdigen. Der Bedeutung der Ausstellung entsprechend wurde für die EXPO ein maritimes Motto gewählt: „Die Ozeane – Erbe für die Zukunft.“ Ein 50 Hektar großes ehemaliges Hafengelände am Westufer des Tejo wurde zum Ort der EXPO. Nachhaltigkeit war eine der Leitlinien, der Großteil der Neubauten sollte nach dem Ende der Ausstellung erhalten bleiben. Insgesamt besuchten von Mai bis September 1998 mehr als zehn Millionen Besucher die EXPO '98. Wie im Vorfeld geplant existieren viele ehemalige Ausstellungsbauten noch heute. Der 145 Meter hohe Torre de Vasco da Gama am Nordende des heutigen Parque des Nacoes, dem Park der Nationen, ist heute eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons aus der Zeit der Weltausstellung

Was es in Lissabon zu sehen gibt

Neben dem ehemaligen EXPO-Gelände, dem Parque des Nacoes, hat Lissabon eine Vielzahl toller Sehenswürdigkeiten, die Sie bei einem Besuch der Stadt auf keinen Fall verpassen sollten! Das Stadtviertel Baixa mit seinen schachbrettförmigen Straßenzügen, von wo sich Lissabon nach dem verheerenden Erdbeben 1755 neu entwickelte, lädt auf einen Spaziergang ein, während in den Bars und Restaurants des Bairro Alto besonders am Abend mit einem Glas portugiesischem Rotwein auf das Leben angestoßen wird. In Alfama wiederum, einem weiteren sehr gut erhaltenen Altstadtviertel, ist der Fado, die melancholische Musik Portugals zuhause. Tolle Anlauf- und Aussichtspunkte sind der über der Stadt gelegene Miradouro das Portas do Sol und der Miradouro de St. Luzia. Ohnehin ist Lissabon eine Stadt der Hügel. Eine Fahrt mit einem der zahlreichen historischen Aufzüge oder mit der historischen Tramlinie 28E, die sich seit 1928 durch die engen Straßen Lissabons zwängt, ist da ein Muss!

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Die Brücke des 25. April und die Vasco da Gama-Brücke sind nur der Beginn eines spektakulären Ausflugs in das wunderschöne Lissabon. Mit Costa Kreuzfahrten entdecken Sie die lebhafte Stadt am Ufer des Tejo, ihre hügeligen Altstadtviertel und die Lebensfreude der Menschen auf einem unserer Ausflüge.