Migration ist seit Jahrhunderten und insbesondere ab dem 19. Jahrhundert ein wesentlicher Teil der deutschen Geschichte. Galt vor der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 streng genommen schon der Fortzug aus einem zum Deutschen Bund gehörigen Königreich oder Großherzogtum in ein anderes als Migration, beschleunigt sich im 19. Jahrhundert der Fortzug aus den Territorien des Deutschen Bundes. Doch auch in andere Richtung kommt es schon früh zu Migrationsbewegungen. Bis 1910 werden auf deutschem Territorium 1,3 Millionen Menschen ausländischer Herkunft gezählt. 

Die beiden Weltkriege bringen weitreichende Zäsuren mit sich: Über eine Million Deutsche aus den im Versailler Vertrag abgetretenen Gebieten im Osten Europas siedeln nach dem Ersten Weltkrieg in westdeutsche Gebiete um. Etwa 300.000 jüdische Emigranten verlassen Deutschland im Zuge der aufkommenden nationalsozialistischen Herrschaft nach 1933. Und nach dem Zweiten Weltkrieg wandern mehr als 800.000 Deutsche nach Übersee aus, während drei Millionen Menschen noch vor der Grenzziehung der innerdeutschen Grenze von Ost- nach Westdeutschland übersiedeln. Das Auswandererhaus in Bremerhaven erzählt Geschichten aus allen Epochen der deutschen Migrationsgeschichte. Was Sie in dem preisgekrönten Museum erleben können, bringen wir Ihnen in diesem Text näher:

Migration in Deutschland

Mehr als sechs Millionen Deutsche entschließen sich zwischen 1814 und 1918, Deutschland den Rücken zu kehren und ein neues Leben auf dem amerikanischen Kontinent zu beginnen. Die große Mehrheit der Auswanderer zieht es in die USA, wo Deutsche schnell zur zahlenmäßig größten Einwanderergruppe aufsteigen. Die Gründe, Deutschland zu verlassen, sind zu jener Zeit vielfältig: Religiöse Splittergruppen erhoffen sich in den USA mehr Religionsfreiheit. Revolutionäre der gescheiterten März-Revolution 1848/1849 – in den USA bis heute 'forty-eighters' genannt - fürchten Verfolgung und Gefängnis. Hungersnöte und die Angst vor dem wirtschaftlichen Existenzverlust in der beginnenden industriellen Revolution sind jedoch für viele Auswanderer jener Zeit die Hauptgründe. 

Auf Frachtschiffen, die auf dem Rückweg von Deutschland in die USA freien Laderaum anbieten, finden sie Platz. Als ab 1880 erste Dampfschiffe die Segelschiffe auf der Transatlantikroute ablösen, verbessert sich die hygienische Situation der Auswanderer. Schwere Krankheiten und Seuchen, in den ersten Jahrzehnten der Auswandererwelle an Bord der Segelschiffe noch Gang und Gäbe, werden seltener. Auswandererschutzgesetze verpflichten nun die Reedereien, während der Überfahrt auf Hygiene zu achten und den Auswanderern eine Schlafkoje zu stellen.

Geschichte des Gebäudes

Das im August 2005 in Bremerhaven eröffnete Auswandererhaus liegt in einem der Häfen der Stadt, von wo aus sich während der großen Auswandererwelle in Deutschland Schiffe aus Bremerhaven auf den Weg in die Neue Welt machten. Etwa 1,2 Millionen Auswanderer gingen im Neuen Hafen, dem Standort des Museums an Bord. Millionen weiterer Emigranten machten sich in den Kaiserhäfen, in den Columbuskajen und im Alten Hafen Bremerhavens auf ihre lange Reise. 

Dem Museumsbau voraus ging ein langjähriger Einsatz vieler Bewohner Bremerhavens. Letztlich werden rund 20 Millionen Euro in das Gebäude investiert, das sich zunächst auf 4400 Quadratmetern Ausstellungsfläche mit der Auswanderergeschichte Deutschlands befasst. Im April 2012 vergrößert sich das Museum um einen Erweiterungsbau, auf dessen Fläche auch die 300jährige Einwanderungsgeschichte Deutschlands thematisiert wird. Spektakulär wird die Fassade eines zweiten Erweiterungsbaus des Museums in Zukunft Portraits ehemaliger Auswanderer und deren Nachkommen darstellen und die Ausstellung des Museums nochmals erweitern.

Auswanderermuseen weltweit

Mehrere Länder in Europa haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer Migrationsgeschichte befasst und Museen zu diesem Thema eröffnet. Zu den spannendsten Auswanderermuseen gehört das Irish Museum of Emigration, das seit 2016 in den Dubliner Docklands besteht und sich mit der Geschichte der 10 Millionen Iren befasst, die der grünen Insel im Lauf der vergangenen Jahrhunderte den Rücken gekehrt haben. Großer Beliebtheit erfreut sich auch das 2015 im polnischen Gdingen eröffnete Emigrationsmuseum Gdynia.

Im historischen Seebahnhof der Stadt, in dem das Museum eingerichtet ist, traten viele polnische Auswanderer die Seereise in ihre Zukunft fern ihrer polnischen Heimat an. Im Londoner Migration Museum wiederum liegt ein thematischer Schwerpunkt auf der Frage, wie Migration von und nach England Menschen und Land über die vergangenen Jahrhunderte geprägt haben. Und in Deutschland gibt es mit dem Auswanderermuseum Ballinstadt in Hamburg sogar noch ein zweites Museum, das die Geschichte deutscher Auswanderer in seinen Mittelpunkt stellt, verglichen mit dem Auswandererhaus Bremerhaven jedoch bedeutend kleiner ist

Ellis Island

Für viele Auswanderer aus Europa ist Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert die kleine Insel Ellis Island im Hafengebiet von New York der erste Anlaufort auf ihrem Weg in die Vereinigten Staaten. Bis zu 12.000 US-Einwanderer täglich und insgesamt etwa zwölf Millionen Einwanderer aus Europa kommen über die 'Träneninsel' in die Neue Welt, nachdem die amerikanische Einwanderungsbehörde bis 1892 noch Castle Clinton an der Südspitze des New Yorker Stadtteils  Manhattan als erste Anlaufstelle für Einwanderungswillige betrieben hatte.

Die Insellage von Ellis Island macht es den potentiellen Einwanderern im Gegensatz zu Castle Clinton jedoch unmöglich, unregistriert in die Vereinigten Staaten einzureisen. Bis zur Schließung der Anlaufstelle im Jahr 1954 entscheidet sich daher auf Ellis Island, wer als Neubürger in die Vereinigten Staaten einreisen darf. Seit 1990 befindet sich in den ehemaligen Gebäuden der Einwanderungsbehörde das Ellis Island Immigration Museum. Das zum Museum gehörende elektronische Archiv, in dem die Datensätze aller auf Ellis Island registrierten Einwanderer verzeichnet sind, nutzte das Auswandererhaus in Bremerhaven für seine Ausstellung zu deutschen Auswanderern in den Vereinigten Staaten.

Das Jahr 1973

Für die Einwanderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland stellt das Jahr 1973 eine Zäsur dar, als die zuvor 18 Jahre lang praktizierte Anwerbepolitik Deutschlands im November aufgrund der Auswirkungen der Ölkrise gestoppt wird. Seit 1955 hatte Deutschland zuvor mit mehreren Staaten Südeuropas, Nordafrikas, mit der Türkei und mit Südkorea Verträge abgeschlossen, nach denen Staatsangehörige aus den Vertragsländern in Deutschland einen temporären Gastarbeiterstatus erhalten konnten. 

Ein Rotationssystem sollte Sorge tragen, dass Migrantinnen und Migranten für einige Jahre nach Deutschland kommen, um später mit ihrem ersparten Geld in ihre Heimat zurückzukehren. Insgesamt kommen in der Zeit der staatlichen Anwerbepolitik rund 14 Millionen Menschen nach Deutschland. Der Großteil der Gastarbeiter kehrt später tatsächlich in ihre Heimatländer zurück. Etwa 2,5 Millionen ausländische Arbeitnehmer bleiben jedoch dauerhaft in Deutschland. Oft kommt es zum Nachzug der Familien der Gastarbeiter. Sie siedeln sich meist in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern an, da sie vorwiegend in den dortigen Industriezentren Arbeit finden.

Informationen für den Besuch

Vom Columbus-Cruise-Center, dem Anlaufpunkt unserer Schiffe bei unseren Besuchen in Bremerhaven, ist das Auswandererhaus fußläufig nach etwa 1,5 Kilometern erreichbar. Alternativ bietet der lokale Busbetreiber BremerhavenBus Costa-Gästen das Columbus-Ticket an, das Sie zu festgelegten Abfahrtszeiten vom Kreuzfahrtterminal zum Hauptbahnhof im Bremerhaven nutzen können. Vom Hauptbahnhof fahren Linienbusse weiter zur Station Havenwelten, wo sich das Auswandererhaus befindet. 

Der Eintritt in das Museum kostet 15,80 Euro, Ermäßigungen werden unter anderem Schülern, Studierenden und Alleinerziehenden mit Kindern gewährt. Zum Eintrittspreis wird eine zusätzliche Fotoschutzgebühr von 1,50 Euro erhoben. Geöffnet ist das Auswandererhaus täglich ab zehn Uhr. In den Sommermonaten März bis Oktober schließt das Museum um 18 Uhr, in den Wintermonaten November bis Februar um 17 Uhr. Das Museum ist barrierefrei und für Rollstuhlfahrer geeignet, für Gehörlose stehen ausgedruckte Texte zur Verfügung. 

Sehenswürdigkeiten in Bremerhaven

Unter den Sehenswürdigkeiten Bremerhavens liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Auswandererhaus der Zoo am Meer, in dem die Lebensräume und die tierischen Bewohner der Nordsee vorgestellt werden. Spektakulär ist auch der Besuch im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost, in dem sich Besucher entlang des achten Längengrades auf eine eindrucksvolle Reise durch die Klimazonen der Erde begeben können. Das Klimahaus ist Bestandteil der neu eröffneten Havenwelten, zu dem auch ein Einkaufszentrum und die 140 Meter hohe Aussichtsplattform Sail City gehören. Von hier aus sind es wiederum nur ein paar Schritte bis zum Deutschen Schifffahrtsmuseum, in dessen Mittelpunkt ein spannendes Schiffswrack steht: Die Bremer Kogge aus dem Jahr 1380, die 1962 bei Grabungen in der Weser entdeckt wurde. Auch ein die beiden beeindruckenden Hansestädte Bremen und Hamburg sind von Bremerhaven aus leicht zu erreichen und einen Tagesausflug wert.

Entdecken Sie Nordeuropa mit Costa Kreuzfahrten

Millionen Auswanderer sind in Bremerhaven an Bord von Schiffen gegangen, um in der neuen Welt ein neues Leben zu beginnen. Eine neue Welt auf Zeit können auch Sie ab Bremerhaven mit Costa Kreuzfahrten entdecken.

Die norddeutsche Hafenstadt ist an vielen Terminen Ausgangspunkt unserer Nordeuropakreuzfahrten mit Costa Favolosa, die Sie ab Bremerhaven unter anderem in die traumhaften Fjordlandschaften Norwegens nach Stavanger, Alesund und Bergen mitnimmt. Oder aber, Sie entdecken ebenfalls mit Costa Favolosa die schönsten Städte Großbritanniens und Irlands wie Liverpool, Belfast und Cork. Kommen Sie mit uns an Bord und seien Sie dabei, wenn wir ab Bremerhaven in See stechen, um die Schönheiten des Nordens zu bereisen.