Kaum eine europäische Großstadt wurde in ihrer Entwicklung derart von einem einzigen Künstler geprägt wie Barcelona von Antoni Gaudí, der in den Hochzeiten des Modernisme, des katalanischen Jugendstils, insbesondere im neuen Stadtviertel Exiample seine Spuren hinterließ. Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich Barcelona im Wandel. Die Stadtmauer, die dem Wachstum der Handelsmetropole jahrhundertelang Grenzen gewiesen hatte, war gefallen. Umliegende Dörfer wurden eingemeindet, neues Land wurde zu Bauland. Ein Spielplatz für Gaudí und viele weitere bedeutende Architekten Barcelonas, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Stadt ihren eigenen Stempel aufdrückten. Antoni Gaudí war unter den jungen Architekten einer der eigenwilligsten – und der erfolgreichste. Mäzene ermöglichten Gaudí, seinen unverwechselbar naturverbundenen Baustil in seinen Projekten auszubreiten. Casa Vicens, Casa Battló, Casa Milà – die Bauprojekte Gaudís wurden zu architektonischen Glanzleistungen jener Zeit. Nach dem Jahrhundertwechsel und der Gestaltung des Park Güell widmete sich Gaudí komplett seinem Lebenswerk, dem Bau der Sagrada Familia, dessen Bauleitung er bereits 1883 übernommen hatte. Bis zu seinem Tod stand der Bau der Kirche im Zentrum Gaudís künstlerischen Schaffens. Weit über seinen Tod hinaus bleiben Gaudís Werke mit Barcelona verwurzelt. Heute ist ihr Besuch ein Muss für jeden Barcelona-Reisenden. Die Wirken des Antoni Gaudí in Barcelona:  

Das Leben des Antoni Gaudí

1852 in Reus südlich von Barcelona geboren stellt sich Antoni Gaudi früh in seinem Architekturstudium als mathematisches Genie heraus. Er berechnet, er skizziert, er konstruiert Modelle, an denen er sich orientiert, während sich seine Kollegen an starren Bauplänen abarbeiten. Neben dem Studium lernt Gaudí bei Schreinern, Glasmachern und Schlossern – und bringt diese Kenntnisse in seine Architektur ein. Nach dem Studium gehört der Unternehmer Eusebi Güell zu Antoni Gaudís frühen Förderern. Der Bischofspalast in Astorga und der Umbau des Casa Battló zählen zu Gaudís weiteren bedeutenden Werken, wie auch die Gestaltung des Park Güell, in dem Gaudí 1906 eine Villa bezieht. 1914 widmet sich Gaudí dann seinem Lebenswerk, dem Bau der Sagrada Familia, an der er schon 1883 die Bauleitung übernahm. Im Juni 1926 wird Antoni Gaudí bei einem Unfall mit einer Straßenbahn schwer verletzt. Er stirbt wenige Tage nach dem Unfall. Bis heute ruhen Gaudís sterbliche Überreste in der Krypta der Sagrada Familia.

Modernismus – der katalanische Jugendstil

Es ist eine Zeit des Wandels, in der sich Ende des 19. Jahrhunderts Kunst und Literatur, Musik und Architektur von Neogotik und Neoromanik abwenden. Der Jugendstil – im französischen Sprachraum auch als Art Nouveau bekannt – reformiert zuvor Gesehenes, Gehörtes und Gebautes. Während sich in Deutschland die Darmstädter Künstlerkolonie um den Architekten Joseph Maria Olbrich als Zentrum des Jugendstil etabliert, schafft sich der katalanische Modernismus in Barcelona sein Zentrum. Das Neubauviertel Exiample, seinerzeit noch am Stadtrand Barcelonas gelegen, wird zum Tummelplatz junger Musiker, Literaten, Maler und Architekten wie Antoni Gaudí. Ihr Refugium, die Cabaretbar Els Quatre Gats, liegt in einem Jugendstlilhaus, dem Casa Martí an der Calle de Montsio. Heute ist das von Josep Puig i Cadafalch geplante Casa Martí, in dem auch Pablo Picasso Stammgast war, Teil der Ruta de Modernisme, einem sehenswerten Stadtrundgang zu 116 Werken des Modernismus in Barcelona. 

Casa Milà oder La Pedrera

Es soll ein besonderes Haus sein, das das Ehepaar Milà 1906 auf seinem Grundstück am Passeig de Gràcia erbauen lässt. Die Architektenwahl des Auftraggebers Pedro Milà fällt auf Antoni Gaudí. Vier Jahre dauert es, bis Gaudí Casa Milà 1910 fertigstellt. Und in der Tat – ihm gelingt ein besonderes Haus. Das Vorbild zu Casa Milà liefert die Natur – viele Rundungen, kaum rechte Winkel, dazu im Inneren verschiebbare Wände und eine Klimaregulierung, die über ein natürliches Belüftungssystem vom Dach aus erfolgt. Kurzum – ein revolutionäres Haus! Die geschwungene Außenfassade des Casa Milà erregt in Barcelona Aufsehen. Es dauert nicht lange, und Casa Milà hat in der Stadt seinen Namen wett: „La Pedrera“ – das Steinbruchhaus, wird zum mitunter nett oder auch weniger nett gemeinten Kosenamen des Casa Milà. Seit 1984 steht das Haus in der Liste der Weltkulturerbestätten der UNESCO. Heute können Sie Casa Milà besuchen – und viel über die Arbeit von Antoni Gaudí erfahren, dem mit dem Espai Gaudi im Casa Milà ein eigenes Museum gewidmet ist.

Casa Battló

Nur ein paar hundert Meter von Casa Milà entfernt steht Casa Battló, das Haus, das Pedro Milà so sehr beeindruckte, dass er den Auftrag zum Bau seines Casa Milà an Antoni Gaudí vergab. 1877 für den Industriellen Josép Battló erbaut, erhält Gaudí 1904 den Auftrag, Casa Battló umzugestalten. Gaudí macht sich ans Werk und stellt die Natur in den Mittelpunkt seines Umbaus. Die Säulen der neu gestalteten Hausfassade erinnern an Knochen, die Formen im Inneren des Hauses an Wälder, Pflanzen und Höhlen. Die Fassade selbst nutzt Gaudí zur farbenfrohen Darstellung der Drachenlegende des heiligen Georg, St. Jordi, des Schutzpatrons Kataloniens. Dieser besiegt in der Legende einen Drachen, um die Königstochter vor dem Tod zu retten. Den Drachenrücken mit seinen großen glänzenden Schuppen stellt Gaudí auf dem Dach des Casa Battló dar. Seit 2005 gehört auch Casa Battló zur Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten.

Casa Vicens

Zu den frühen und weniger bekannten Bauten von Antoni Gaudí in Barcelona gehört das vierstöckige Casa Vicens, zu dessen Bau Gaudí bereits vor Abschluss seines Studiums von Manuel Vicens e Montaner, einem Börsenmakler beauftragt wird. 1883 nimmt Gaudí die Arbeit im Stadtteil Gràcia auf. In fünf Jahren entsteht mit dem Casa Vicens ein erster Einblick in vieles, was die Architektur Gaudís in den kommenden Jahrzehnten ausmachen wird. Zu einem Blickfang am Casa Vicens, das sich bis 2017 über Jahrzehnte in Privatbesitz befand, mittlerweile jedoch ein öffentlich zugängliches Museum ist, wird das Schachbrettmuster der Fassadenkacheln. Andere Elemente der Architektur Gaudís – unter anderem auch ein von ihm kunstvoll gestalteter Brunnen im Garten des Hauses – gehen über die Jahrzehnte durch Umgestaltungen und teilweise Grundstücksverkäufe verloren.

Sagrada Familia

Sie ist eine nahezu immerwährende Baustelle. 2026, zu Gaudís 100. Todestag sollte die Sagrada Familia in Barcelona ursprünglich fertiggestellt sein, doch auch 140 Jahre nach Baubeginn im März 1882 ist die Fertigstellung der aus Spendengeldern finanzierten Kirche noch immer nicht gesichert. Eine Sehenswürdigkeit ist das Wahrzeichen Barcelonas, dessen Bauzeit Gaudí auf 200 Jahre ansetzte, jedoch auch unvollendet. 1883 übernimmt Gaudí die Bauleitung der Sagrada Familia, bis zu seinem Tod 1926 wird er nur die Fertigstellung der Krypta und des Glockenturms des Barnabas erleben. Gaudís Erbe sind keine Baupläne, sondern Modelle, nach denen bis heute weitergebaut wird. 2010 wird die Kirche von Papst Benedikt XVI. zur Basilika erhoben, seit 2011 zählen die Weihnachtsfassade und die Krypta der Sagrada Familia zu den UNESCO-Weltkulturerbestätten. Seither gewinnt die Basilika vor allem an Höhe: 138 Meter misst der Turm der Jungfrau Maria, der nach seiner Fertigstellung nur noch vom 172 Meter hohen Christusturm überragt werden wird. Insgesamt werden nach der Fertigstellung der Sagrada Familia 18 Kirchtürme gen Himmel zeigen.

Park Güell

Zu den frühen Förderern von Antoni Gaudí gehört der Reeder Eusebi Güell, der Gaudí bereits früh mit dem Bau einer Finca vor der Stadtgrenze und des Palau Güell in der Innenstadt Barcelonas beauftragt. In der Gestaltung des 17 Hektar großen Park Güell lässt Gaudí mit Wegen, Viadukten und Laubengängen seinen Ideen einer von der Natur inspirierten Landschaftsplanung freien Lauf. Das zentrale Element des hügeligen Parks ist La Placa, eine auf Säulen erbaute Terrasse mit traumhaftem Ausblick über die Innenstadt Barcelonas. Hunderttausende bunte Mosaiksteine zieren die 110 Meter lange, in Wellenform angelegte Umfassung der Terrasse, die als Sitzbank dient. Spektakulär sind auch die beiden Steinsalamander im Park überzogen von unzähligen Mosaiksteinen. Anstatt der geplanten 60 Villen, die Teil des ursprünglich für Park Güell ausgelobten  Bebauungsplans waren, entstehen letztlich nur zwei Wohnhäuser im Park. In eine der beiden Villen, die heute das Casa-Museu Gaudí beherbergt und von Gaudí entworfene Möbelstücke ausstellt, zieht der Künstler 1906 selbst ein. Hier lebt Gaudí bis kurz vor seinem Tod.

Weitere Sehenswürdigkeiten in Barcelona

Neben den architektonischen Meisterwerken Antoni Gaudís gibt es in Barcelona noch unzählige weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Bischofssitz und damit die bedeutendste Kirche Barcelonas ist die Kathedrale Santa Eulalia im gotischen Viertel der Stadt (Metrostation Jaume I, Linie 4). Von hier erreichen Sie auch die Basilika Santa Maria del Mar, die 'Kirche der Matrosen' fußläufig. Aus der breiten Museumslandschaft Barcelonas sticht insbesondere das Museu Picasso (Metrostation Jaume I, Linie 4) mit seiner Sammlung von mehr als 4000 Werken des weltbekannten Malers heraus. Sofern Sie Fußballfan sind, ist der Besuch des Camp Nou (Metrostation Palau Reial, Linie 3), der Heimspielstätte des FC Barcelona, natürlich ein absolutes Muss. Für Aktive mit dem Ausgangspunkt Kolumbusstatue (Metrostation Drassanes, Linie 3) empfiehlt sich zudem ein ausgedehnter Spaziergang über die Einkaufsstraße Ramblas mit ihren Märkten und Blumenständen oder durch die quirligen Altstadtgassen der Ciudat Veila zum Stadtstrand Barceloneta (Metrostation Barceloneta, Linie 4) und weiter ins Olympische Dorf, in die Heimat der Athleten während der Olympischen Sommerspiele 1992.

Reisen Sie zu den Bauten Antoni Gaudís in Barcelona mit Costa Kreuzfahrten

Casa Milà, Casa Battló, Park Güell und die Sagrada Familia gehören zu den Highlights eines jeden Barcelona-Besuchs. Mit Costa Kreuzfahrten wandeln Sie auf den Spuren dieser und weiterer bekannter Werke Antoni Gaudís in Barcelona.